Full text : Die Volkswirthschaftslehre

§  162.  163.  Kapitalzins.
Vergleich  mit  dem  dadurch  künftighin  zu  erlangenden  Einkommen
beigelegt  wird,  hängt  schließlich  von  der  LeichtigW  ^>ab,  mit
welcher  neue  Kapitalien  zu  bilden  und  nutzbar  zu  machen  sind.
Je  beträchtlicher  der  Volksreichthnm  und  das  Volkseinkommen
bereits  geworden  ist,  um  so  weniger  Genügsamkeit  und  Selbstüberwindung ­
  gehört  dazu,  Ersparnisse  zu  machà  àd  je
reichlicher  sich  sichere  und  ergiebige  Verwendungsgelegenhäst  für
das  Ersparte  darbieten,  um  so  anlockender  ist  es,  in  der"Mtzgentvart
  genügsam  zu  sein,  und  sich  der  in  Zukunft  zu  erhoffenden
Annehmlichkeit  des  Bezugs  von  Zinseinkommen  halber  zu
überwinden.
Die  Zinshöhe  kann  also  sinken,  wenn  der  aus  der  Production
einem  Volke  nach  Befriedigung  der  nothwendigen  Bedürfnisse
verbleibende  Ueberschuß  größer,  und  die  Sicherheit,  durch  dessen
Kapitalisirung  zu  besserem  Wohlstände  zu  gelangen,  gewisser
oder  der  Kapitalisirungstrieb  selbst  ausgebildeter  wird,  indem
alsdann  schon  ein  niedrigerer  Zinsfuß  wirksamen  Antrieb  zur
Kapitalansammlung  und  Kapitalanwendung  zu  geben  vermag.
Sie  muß  dagegen  umgekehrt  unter  dem  Einflüsse  gegentheiliger
Verhältnisse  steigen,  weil  solchenfalls  die  der  Bildung  und
Nutzbarmachung  von  Kapitalien  entgegenstehenden  Schwierigkeiten
beträchtlicher  und  nur  durch  eine  höhere  Vergütung  für  Genußenthaltung ­
  re.  auszuwiegen  sind.
§  103.
Ferner  kann  der  Kapitalzins  auf  die  Dauer  auch  wieder
nicht  höher  steigen,  alsderGebrauchswerth  derKapitalnutzungen
  und  die  Zahlungsfähigkeit  der  darnach
Begehrenden  es  gestattet.
Jener  Gebranchswerth  aber  hängt  ab  von  der  Ergiebigkeit ­
  der  Kapitalverwendung  und  diese  Zahlungsfähigkeit  von
bcm  Erfolge,  mit  welchem  die  Kapitalbemcher  produciré«.
Ersterer  Gebrauchswerth  und  letztere  Zahlungsfähigkeit
bestimmen  die  Maximalgrenze  des  Kapitalzinses.
Der  Gebrauchswerth  der  Kapitalnutzungen  ist  sowohl  zeitlich
als  örtlich  und  innerhalb  der  verschiedenen  Ertverbszweige  je
nach  den  jeweilig  eingetretenen  Productionsbediugungen  ungleich
groß.  Im  Handel  können  z.  B.  augenblicklich  verfügbare  Geldkapitalien ­
  je  nach  dem  Gange  der  Geschäfte  bisweilen  einen
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