Full text : Die Volkswirthschaftslehre

308  Buch  4.  Kap.  1.  Einkommenszweige.
ganz  außergewöhnlich  großen  und  zu  anderen  Zeiten  einen  ver
hältnißmäßig  weit  geringeren  Gebrauchswerth  haben.  Die  Größe
desselben  beruht  schließlich  immer  auf  der  Beträchtlichkeit  der
durch  Kapitalanwendung  erzielbaren  Ueberschüsse  und  somit  ans
dem  Maße,  in  ivelchem  sich  der  Prodnctionserfolg  vermittelst
Kapitalbenutzung  steigern  läßt.  Diese  seine  Größe  wird  um
so  bedeutender,  je  ergiebiger,  und  um  so  geringer,  je  weniger
ergiebig  die  Anwendung  weiterer  und  neuer  Kapitalien  ist,
weshalb  auch  der  landesübliche  Zinsfuß  sich  schließlich  wiederum
nach  dem  Reinerträge  der  noch  vermöge  der  sich  darbietenden
Kapitalmenge  letztmöglichen  und  dabei  unergiebigsten  Kapitalverwendung
  richtet.  Der  Kapitalzins  pflegt  deshalb  z.  B.  ill
llcu  kolonisirten  Ländern,  welche  mit  ihrer  Fülle  an  unausgenutzten
  Naturkräften  und  Natnrgaben  besonders  ausgiebige
Anlagsgelegenheiten  eröffnen,  höher  zu  sein,  als  in  älteren
Kulturländern,  wo  sich  nicht  mehr  durch  vernlchrte  Anwendung
von  Kapital  so  beträchtliche  Werthsüberschüssc  erzielen  lassen.
Achnlichcs  gilt  rücksichtlich  der  Zahlungsfähigkeit  der  nach
Kapitalnutzungen  Begehrenden.  Diese  ist  ihrerseits  um  so  größer,
je  einträglicher  die  kapitalbednrftigen  Unternehmungen  sind,  je
erfolgreicher  überhaupt  und  insbesondere  seitens  der  Nichtkapitalisten, ­
  der  Grundbesitzer  und  Arbeiter,  mittels  der  anderweiten ­
  Productionsmittel  in  Folge  der  quantitativen  und
qualitativen  Leistungsfähigkeit  dieser  sowie  der  Ausbildung  des
techilischen  Verfahrens  producirt  lvird.
Die  Zinshöhe  kann  also  mit  zunehmendem  Gebrauchslverthe
der  Kapital,lutzungen  und  erhöhter  Zahlungsfähigkeit  der  darnach
Begehrenden  steigen,  und  muß  umgekehrt  im  gcgentheiligen
Falle  sinken.

8  164.
Die  jedesmalige  Höhe  des  Kapitalzinses  endlich  lvird
regelmäßig  durch  das  jeweilige  Verhältniß  zwischen
Nachfrage  nach  und  Angebot  an  Kapitalnutzungen
bestilllmt.
Letzteres  Verhältniß  hängt  nun  zunächst  voll  der  Masse
der  verfügbaren  Kapitalien  und  der  Emsigkeit,  mit  welcher
iHefc  eine  Verwendung  suchen,  im  Vergleich  mit  der  Menge
            
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