Full text : Die Volkswirthschaftslehre

§  165.  Kapitalzins.

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den  Aus-  und  Einströmen  aus  einer  Anlagsgelegenheit  in  die
andere  stärkere  Hindernisse  entgegenstehen,  der  Zins  leichtlich  sowchl
  ungewöhnlich  hoch  steigt  als  außergewöhnlich  tief  sinkt,  je
nachdem  der  vom  Preise  der  mittels  des  angelegten  Kapitals
erzielten  Producte  abhängige  Kapitalertrag  besonders  hoch  oder
niedrig  ist.  Ersteres  kann  zumal  eintreten  bei  nicht  leicht  zu
vermehrenden  Anlagskapitalicn,  z.  B.  Brücken,  Eisenbahnen  re.,
letzteres  bei  allen  ebensolchen  zwar  theilweise  leichter  vermehrbaren
jedock  lediglich  einseitig  zu  benutzenden,  langdauernd  gebundenen
und  'ich  nur  äußerst  langsam  vernutzenden  Kapitalien,  z.  B.
HLusem  in  einer  nunmehr  weniger  gesuchten  Lage  oder  in  einer
Stadt,  wo  die  Bevölkerung  abnimmt,  durch  wirksamere  Constructionen
  überfliigelten  Maschinen  re.
Daneben  schwankt  freilich  der  Zinsfuß  bei  kurzfristig  ausgeliehenen ­
  Kapitalien  im  Allgemeinen  bedeutender,  als  bei  langfristigen ­
  Darlehen,  was  hauptsächlich  wieder  darauf  beruht,  daß
erstere  zu  sich  schnell  abwickelnden  Geschäften  und  letztere  zu  sich
langsamer  vollendenden  Productionen  benutzt  werden,  in  denen
die  Ergiebigkeit  der  Kapitalverwendung  weniger  plötzlich  und
beträchtlich  wechselt.  Der  Diskontosatz  verändert  sich  also  nur
deshalb  weit  häufiger,  schneller  und  stärker  als  der  hypothekarische
Zinsfuß,  weil  im  Handel  die  Umsätze  rascher  geschehen  und  der
Gebrauchswerth  der  Kapitalnutzungen  je  nach  der  augenblicklichen
Conjunctur  ungleich  wechselnder  ist,  als  z.  B.  in  der  Landwirthschaft. ­
  Der  Umstand  aber,  daß  der  Zinsfuß  im  Mobiliarkredit
entschieden  unsteter  zu  sein  pflegt  als  im  Immobiliarkredit,
schließt  selbstverständlich  keineswegs  aus,  daß  der  reine  Durchschnittszins
  in  jenem  und  diesem  dennoch  in  der  Regel  fast  gleich
hoch  steht,  bezüglich  auf  die  Dauer  nach  gleicher  Höhe  trachtet.
In  ähnlicher  Weise  lute  innerhalb  einer  und  derselben  Volkswirthschaft ­
  kann  sich  zwischen  getrennten  Bolkswirthschaften  eine
allmählich  zunehmende  Zinsfußansglcichung  dadurch  vollziehen,
daß  niedrigeren  Zinsfuß  habende  Völker  von  ihrem  Kapitalreichthnme
  nach  solchen  Ländern  überströmen  lassen,  wo  der  Zinsfuß
höher  ist  und  in  denen  demnach  Kapitalien  noch  vortheilhaftere
Verwendung  finden.  Ein  derartiges  Ueberströmen  wird  vermittelt
theils  durch  unmittelbare  Auswanderung  oder  zeitweilige  Uebersiedelung
  einzelner  Kapitalisten  und  durch  Gründung  von  Zweiggeschäften ­
  (Commauditen)  ?c.,  theils  durch  lange  Kreditgewährung
im  Handel  und  überhaupt  durch  Ausleihen  an  das  Ausland,
            
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