Full text : Die Volkswirthschaftslehre

§  166.  Kapitalzins.

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wegen  gleichzeitigen  Stechens  des  Gesammtbedarfes  nun  nothwendig ­
  wird,  zu  minder  ergiebigen  Kapitalverwendungen  überzugehen. ­
  Das  hierdurch  bedingte  Sinken  des  Zinsfußes
kann  alsdann  zwar  abermals  durch  mancherlei  Hindernisse,
durch  neues  Hinzukommen  gewinnbringenderer  Anwendungsgelegenheiten
  sowie  durch  Dazwischentreten  von  Störungen,
welche  eine  Wiederabnahme  des  verfügbaren  Kapitalvorrathes
herbeiführen,  zeitweise  rückgängig  gemacht  und  vorübergehend
aufgehalten,  jedoch  weder  auf  die  Daller  gänzlich  ausgeschlossen
werden,  noch  so  weit  gehen,  daß  jeder  Antrieb  zu  fernerer
Kapitalbildung  hinwegfiele.
Auf  den  niedern  Kulturstufen  ist  der  Kapitalisirungslricb
schwach  und  noch  wenig  Kapital  verfügbar.  Das  Ausleihen  von
nicht  durch  Selbstanwenduug  nutzbar  zu  machenden  Kapitalien
ist  durch  Rechtsunsicherheit  und  geringe  Entwickelung  des
Kredits  erschwert,  wahrend  eine  noch  vorhandene  Fülle  an
unerschöpften  Anwendungsgelegenheiten  die  Kapitalverwendung
verhältnißmäßig  sehr  ausgiebig  macht.  Der  Zins  muß  daher
gemäß  der  Größe  der  Productiouskosten  und  des  Gebrauchswerthes ­
  der  Kapitalnutzuugen  hoch  sein,  zumal  die  gleichzeitig
bestehende  Unfreiheit  der  Arbeit  verhindert,  daß  der  Arbeitslohn
einen  beträchtlicheren  Antheil  des  Volkseinkommens  in  Anspruch
nähme.
Beim  Weitergedeihen  der  Kultur  ändert  sich  alles  dies
zunehmend  mehr.  Es  macht  sich  nunmehr  nicht  nur  nothwendig,
die  Kapitalverwendung  auch  auf  minder  ergiebige  Anwendungsgclegenheiten
  zu  erstrecken,  sondern  es  wird  zugleich  die  Kapitalbildung
  leichter  und  die  Nutzbarmachung  angesammelter  Kapitalien
unbehinderter.  Späterhin  neigt  deshalb  der  Zinsfuß  zum
Sinken  und  zwar  zuerst  in  den  am  meisten  vorgeschrittenen
Orten  und  Gegenden,  von  wo  aus  sich  nachher  die  allmähliche
Zinsfußerniedriguug  weiter  verbreitet.  Diese  erhält  sich  um
so  stetiger,  je  weniger  ihr  fernerer  Verlauf  durch  die  oben
angedeuteten  Hindernisse  gehemmt,  also  einerseits  durch  Sicheröffnen
  günstigerer  Gelegenheiten  zur  Kapitalverwendung,  z.  B.
in  Folge  technischer  Fortschritte,  Erweiterung  des  nutzbaren
Areals,  Ermöglichung  ergiebigerer  Anlegung  im  Auslande  rc.,
und  Wiederaufgebenkönuen  unergiebigst  gewesener  Verwendungen
            
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