352 Buch 5. Kap. 1. Verhältnißmäßigkeit der Consumtton.
strenger Ordnung beim Verbrauchen theils zugethan, theils
abgeneigt sind. In der Regel wird jedoch jedenfalls die Ausdehnung
der irreproductiven und wirthschaftlich schädlichen Consnmtionen
sowohl bei einer einzelnen Volksklasse als bei einem ganzen
Volke verhältnißmäßig um so geringer sein, je weiter erstere
oder letzteres in gediegener Entwickelung ;u vorsorglicher Bedacht
samst, wirthschaftlicher Vernünftigkeit und Selbstbeherrschung
vorgeschritten ist. Hinsichtlich eines äußerst bedeutenden Theils
der Consumtion, der im inneren Haushalte der Familien
erfolgenden Genußverzehrung, kommt es überdies vornehmlich
ans die Gesittung und Tüchtigkeit der Frauen au, denen so
überwiegend neben Leitung der Production hauswirthschaftlicher
Dienstleistungen die Sorge um angemessene Bewirkung der
häuslichen Bedürfnißbefriedigung zufällt, wogegen die Ordnung
der Erwerbsverzchrung in Verbindung mit der Aufgabe, die
Mittel zum Haushaltenkönnen zu beschaffen, hauptsächlich den
Männern obliegt.
Selbstverständlich ist endlich für die jedesmalige Gestaltung
der Consumtionsverhältnisse nicht allein die Art und Richtung
der Privatconsumtion, sondern auch diejenige der Staatsconsumtion
entscheidend. Je wirthschaftlicher diese geschieht, je vollkommener
vermittelst derselben für die entweder überhaupt niemals oder
wenigstens zur Zeit nicht durch Privatwirthschaften und bezüglich
durch niedrigere gemeinwirthschaftliche Organe am wirksamsten
zu befriedigende Bedürfnisse des Volkslebens gesorgt wird, um
so reproduktiver erweist sic sich selbst zu Gunsten der gesammten
Volkswirthschaft, und um so mehr Einkommen bleibt gleichzeitig
den Privaten zu beliebiger Verwendung frei. Nur ist freilich
das Maß der Neproductivität der Staatsconsumtion nicht immer
schon nach den unmittelbarsten und nächsten Erfolgen, sondern
häufig erst nach den mittelbaren und zukünftigen Wirkungen
richtig zu bemessen. Ein im wahren und echten Nativnalinteresse
geführter Krieg kann z. B. zwar zunächst entsetzlich störend und
verlustbringend in die Wirthschaftsverhältnisse eines Landes
eingreifen, dennoch aber in seinen späteren Folgen höchst
reproductiv wirken und durch errungene Sicherheit re. die wirth-
schaftliche Lage eines Volkes sogar nachhaltig verbessern. Ebenso
wenig erscheint es etwa unbedingt als unwirtschaftlich, den
Staatskredit in wachsendem Umfange zur Beschaffung der Mittel
auszunutzen, welche zu dauernd fortwirkenden und durch erhöhte