Full text: Die Volkswirthschaftslehre

§ 23. Wirthschaft. 
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Wirthschaft. 
#23. 
Weil aber die Menschen fortwährend Vermögen brauchen, 
um ihre Bedürfnisse genügend befriedigen zu können, so 
müssen sie auch wirthschaften, d. h. andauernd für Befriedigung 
ihres Bedarfs an äußeren Gütern durch Beschaffung und 
Benutzung von Vermögen sorgen. 
Die Wirthschaft besteht also in der fortgesetzten 
Thätigkeit zur Erwerbung und Verwendung äußerer Güter 
behufs der Bedürfnißbefriedigung. 
Zn dieser auf letztere abzielenden Thätigkeit werden die 
Menschen nicht nur durch ihre eigene Bedürftigkeit genöthigt 
und durch Eigennutz angetrieben, sondern auch durch den 
mit fortschreitender Kulturentwickelung sich in ihnen zu- 
nehmend mehr regenden Gemeinsinn bestimmt. 
Der durch den Trieb der Selbsterhaltung hervorgerufene 
Eigennutz (die Selbstliebe, das Eigenintercsse) treibt zu An 
strengungen behufs der Bedürfnisbefriedigung, weil Ntchtbefrie- 
digung der Bedürfnisse (Mangel) wehthut. Er erweckt den auf 
Gewinnung von Gütern gerichteten Erwcrbseifer und die auf 
Festhalten des Erworbenen bedachte Sparsamkeit. Derselbe kann 
zivar ebenso zu blinder Selbstsucht (zum Egoismus) ausarten, 
wie der Erwerbstrieb zu rücksichtsloser Habsucht und die Spar 
samkeit zu schmutzigem Geize, vermag sich jedoch niemals un 
beschränkt zu bethätigen, weil alle Menschen eigennützig sind. 
Alle suchen ihre Bedürfnisse mit möglichst geringer Anstrengung 
zu befriedigen, und die Meisten trachten späterhin sogar darnach, 
ihren Bedarf zunehmend vollständiger und besser befriedigen zu 
können. Der Eigennutz jedes Einzelnen stößt daher überall auf 
entgegenstehend? Widerstände, welche ihn in Schranken halten. 
Außerdem tvird derselbe noch. neben der nicht so leicht gänzlich 
schweigenden Mahnung des eigenen Gewissens, durch den aus der 
Nächstenliebe entspringenden Gemeinsinn gemäßigt, welcher eben 
falls keinem sich sittlicher Pflichten bewußten Menschen gänzlich 
fehlt. Dieser äußert sich einerseits als Uneigennützigkeit. anderer 
seits als Freigebigkeit, und bethätigt sich im opferwilligen Interesse
	        
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