Full text : Die Volkswirthschaftslehre

52  Buch  1.  Kap.  2.  Entwickelungsgang  der  Volkswirthschaftslchre.

#36.
Uebrigens  gleicht  der  Entwickelungsgang  der  Bolts
lvirthschaftslehre  demjenigen  fast  aller  anderen  Erfahrungs
lvissenschaften.  Anfänglich  tvurden  zunächst  ^Anleitungen  zur
förderlichen  Leitung  der  wirthschaftlichen  Angelegenheiten  zu
geben,  rued  Ideale  zweckmäßig  geordneter  volkswirthschaftlicher
Zustände  aufzustellen  gesucht.  Jene  loie  diese  fußten  ans
zeitlich  herrschenden  Anschauungen  und  hieraus  abgeleiteten
Grundgedanken.  Wegen  zu  großer  Verschiedenheit  der  je
wellig  maßgebenden  Verhältnisse  konnten  dieselben  jedoch
niemals  allgemeingiltig  sein,  sondern  allerhöchstens  dem  Entwickelungsstande ­
  mit»  den  damit  verbundenen  Bedürfnissen
einer  bestimmteil  Volkswirthschaft  innerhalb  begrenzter  Zeit
entsprechen.  Hierauf,  nachdem  dies  mehr  oder  weniger  eingesehen ­
  worden,  folgten  alsdann  Widerlegungen  der  bisherigen ­
  Auffassungen,  welche  bei  Begründung  der  gegen  letztere
zu  machenden  Einwendungen  zunächst  theilweise  wieder,  wie
es  beim  Bestreiten  von  Meinungen  durch  ebensolche  zu  geschehen ­
  pflegt,  in  geradezu  entgegengesetzte  Einseitigkeiten
verfielen.  An  näherer  Untersuchmlg  der  sich  widersprechenden
  Ansichten  und  der  nun  ausgiebiger  vorliegenden  Thatsachen, ­
  welche  zu  schrittweiser  Berichtigung  jener  luid  besserem
Verstehen  dieser  hinführte,  aber  zeitigte  schließlich  die  Erkenntniß, ­
  daß  es  darauf  ankomme,  die  Ursachen  und  den  Zusammenhang ­
  der  in  der  Volkswirthschaft  erfolgenden  Vorgänge  ihrer
Regelmäßigkeit  nach  zu  ergründen.
Die  Frage:  „was  soll  sein  und  wie  soll  es  sein?"  ist  über
all  weit  früher  aufgeworfen  worden,  als  die  anscheinend  näher
liegende:  „was  ist,  warum  ist  es,  wie  ist  es  so  geworden?"
Ueber  erstere  kann  sich  Jeder  allerlei  Gedanken  machen,  während  zur
erschöpfenden  Beantwortung  letzterer,  aus  der  dann  allerdings
auch  folgt,  „was  unter  bestimmteil  Voraussetzungen  sein  wird",
insofern  Alles  in  unaufhörlichem  Werden  begriffen,  nur  durch
fortgesetzte  wissenschaftliche  Forschung  zu  gelangen  ist.
            
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