Full text : Die Volkswirthschaftslehre

54  Buch  1.  Kap.  2.  Entwickelungsgang  der  Vvlkswirthschastslehre.  I
Dasselbe  ging  von  dem  Grundgedanken  aus:  der  Reich-  3
tijitm  eines  Landes  sei  vornehmlich  zu  heben  durch  Ver-  I
Mehrung  seines  Geldbesißes,  des  vorhandenen  Goldes  und
Silbers,  und  somit  also  namentlich  durch  eigenen  Bergbau
auf  die  beiden  vorgenannten  Edelmetalle  und  durch  den  auswärtigen ­
  Handel  bei  Mehrausfuhr,  deren  Mehrwerth  in  |
Wb  incrbc.
Dieser  Gedaukeugaug  entsprach  landläufigen  Vorstellungen.  Wer  I
viel  Geld  hat,  ist  reich.  Wer  mehr  davon  einnimmt  als  ausgiebt,  j
lutri)  reicher.  Im  Geldhaben  bestehe  der  wahre  Reichthum.
Der  Edelmetallbergbau  sei  selbst  dann  noch  förderlich,  wenn
n  mehr  söffe  als  einbringe.  Das  Land  werde  alsdann  dadurch
tvcder  ärmer  noch  reicher,  >vohl  aber  glückseliger,  weil  viele  Leute
dabei  zu  ihrer  Nahrung  kämen  und  das  Geld,  der  Lohn  der
Arbeiter,  iin  Lande  bleibe.  Mindestens  habe  er  voraus,  das;
Gold  und  Silber  sofort  durch  Ausprägung  Geld  lieferten,
während  alle  anderen  Producte  erst  gegen  Geld  abgesetzt  werden
müßten.  Ein  Volk,  welches  nicht  selcht  Geldstoffe  gewinne,  könne
sich  diese  nur  vermittelst  des  auswärtigen  Handels  verschaffen
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beglichen  werden  müsse  und  somit  eine  Mehreinfuhr  an  Geld
eine  sogenannte  „günstige  Handelsbilanz"  eintrete.
,  Die  Maßnahmen  dieses  Systems  waren  daher  baraitf
gerichtet,  durch  staatliches  Eingreifen  und  vorzugsweise  Begünstigung ­
  des  auswärtigen  Handels,  des  Bergbaues  intb
der  Verarbeitungsgewerbe,  welche  sowohl  zur  Deckung  des
inländischen  Bedarfs  als  ailch  zilln  Export  zu  befähigen  seien
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  dem  Auslande  zuzuführen,  sondern  außerdem  zugleich
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Geldcirculation  eine  erwünschte  Vermehrung  der  Bevölkerung,
der  Staatseinkünfte  und  der  Staatsmacht  im  Ganzen  zu
erreichen.
Der  auswärtige  Handel  sei  ein  Mittel,  die  Mißgunst  der
Natur  zu  ersetzen  und  Ueberflus;  au  nicht  im  Lande  gedeihenden
Dingen  zu  schaffen.  Behufs  Belebung  und  vortheilhafter  Ge-
            
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