Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

gun  g  gelang,  diese  Erfolge  zu  erringen.  Das  Gleiche  gilt
auch  von  anderen  Industrien  und  Gelverben.  Der  Stickereiverband ­
  hat  so  recht  eigentlich  den  von  Adam  Smith  —
der  auch  in  seinen  Verirrungen  groß  ist  —  aufgeworfenen,
und  nachher  von  Basttat  und  Anderen  angenommenen  Satz
„von  der  natürlichen  Harmonie  aller  Interessen"  zum  greifbaren ­
  Bewußtsein  gebracht.  Sh  ne  das  Vorhandensein  dieser
natürlichen  Harmonie  hätte  der  Verband  zum  „bloßen  tönenden ­
  Erz  und  zur  klingenden  Schelle"  werden  müssen.  Anderseits ­
  zeigt  aber  die  Verbandsgeschichte  auch  wieder  den  grenzenlosen
  Irrthum,  welchen  die  Patriarchen  der  freien  Konkurrenz
mit  der  Annahme  begingen,  diese  freie  Konkurrenz  werde
gleichsam  von  selbst  die  natürliche  Harmonie  aller  Interessen ­
  zum  Ausdruck  bringen.  Unter  der  freien  Konkurrenz
herrschte  in  der  Stickerei  die  völlige  Disharmonie  der  Interessen,
und  das  Resultat  war  ein  Hernnterschinden  aller  Jntercssentengruppen.
  Erst  dem  Verbände  ist  es  gelungen,  die
vorhandene  innere  Harmonie  zur  äußerlich  fühlbaren  Entfaltung ­
  zu  bringen.  Wäre  die  Nutzanwendung,  welche  Adam
Smith  aus  jenem  Satze  ableitet,  richtig,  so  müßte  man
übrigens  auch  Abschaffung  von  Kirche  und  Staat  postuliren,
denn  es  ist  auch  eine  innere  Harmonie  der  Interessen  in  der
sittlichen  Weltordnung  vorhanden.  Würde  diese  sich  nur
so  von  selbst  verwirklichen,  so  wären  Kirche  und  Staat,  die
berufenen  und  unerläßlichen  Organe  ihrer  äußeren  Entfaltung,
sehr  entbehrlich.  Aber  auch  jene  Schule  —  die  Einen  nennen
sie  wirthschaftlich  liberal,  die  Anderen  liberalkonservativ  -
wird  von  der  Verbandsgeschichte  dementirt,  welche  mit  Roscher,
Röster,  Mangold  it.  A.  die  einseitige,  fakultative  Klassenassoziation ­
  im  Vereine  mit  dem  Gemeinsinn  für  genügend
erachtet,  die  Schattenseiten  der  freien  Konkurrenz  auszuwischen,
von  der  auch  sie  zugeben,  daß  sie  fessellos  sei  und  in  ihren  Endpunkten ­
  auf  die  Erdrückung  des  Schwächeren  von  Seite  des
Stärkeren  hinauslaufe.  Es  klingt  zwar  sehr  schön,  wenn
            
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