Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

185

»

Reduktion  ber  weibliche»  linb  Kinderarbeit  sozusagen  keine
grundsätzlichen  Gegner,  sondern  nur  noch  Gegner  ans  Opportnnitätsgründen
  finden,  so  darf  man  diese  Erscheinung  nicht
blos  dein  guten  Herzen  für  Abhülfe  sozialer  Uebelstände  znschreiben,
  sondern  der  durch  die  Verhältnisse  sich  aufdrängende» ­
  Einsicht,  der  Ueberprodnktion  gegenüber  sich  ans  dem
Standpunkte  der  Nothwehr  zu  befinden,  in  welchem  Stadium
man  jeweilen  zu  den  Nächstliegenden  Waffen  greift.  Insoweit
die  Ueberprodnktion  sich  schon  durch  die  bloße  Beschränkung
der  Arbeitszeit  aufheben  ließe,  so  wäre  eine  Lösung  noch
immer  schwierig  genug,  weil  die  gegenwärtige  Produktion  nicht
inehr  einen  national-  oder  gar  lokalwirthschastlichen  Charakter
besitzt,  sondern  einen  tvelttvirthschaftlichen.  Um  der  Ueberprodnktion ­
  durch  Einschränkung  der  Arbeitszeit  die  Spitze  zu
brechen,  genligt  es  nicht,  das;  ein  Produktionsland  einseitig
die  Arbeitszeit  rednzirt,  sondern  das  andere  Produktionsland
muß  Schritt  halten.  Die  Frage  der  Abriistnng  ans  produktivem ­
  Gebiete  hat  heute  viel  Aehnlichkeit  mit  derjenigen  der
Abrüstung  ans  militärischem.  Jedermann  ist  überzeugt,  daß  die
Abriistnng  ans  beiden  Gebieten  ein  unendlicher  Segen  für
Länder  und  Völker  wäre,  daß  die  jetzigen  Zustände  aus  die
Dauer  unhaltbar  sind.  Niemand  wagt  aber  den  ersten  Schritt
zu  thun,  in  der  Furcht,  sein  Nachbar  würde  ihn  im  Stiche
lassen  und  er  müßte  die  unter  Umständen  sehr  theure  Zeche
bezahlen.  Was  bis  jetzt  auch  von  staatlicher  Seite  der  verschiedensten ­
  Länder  in  anerkennenswerthester  Weise  in  Bezug
ans  Reduktion  der  Arbeitszeit  gethan  lourde  hatte  aber  sehr
wenig  Werth  für  die  wirthschaftliche  Prodnktionsregelung,
sondern  es  war  nur  eine  Schutzlvehr  gegen  die  ärgsten  sozialen
Mißstände.  Anderseits  lvird  man  diese  ans  die  Dauer  und
in  glücklicher  Weise  gar  nicht  beseitigen  können,  wenn  keine
eigentliche  Organisation  der  Produktion  erreicht  wird.  Man
darf  sich  aber  nicht  verhehlen,  daß  die  bloße  Reduktion  und
Regnlirung  der  Arbeitszeit,  so  unentbehrlich  sie  ist,  allein  nicht
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.