Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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strenge  Arbeit  in  einem  meist  dnmpfen,  engen  und  lichtleeren
Lokale  zu  verrichten  hat,  wie  ungleich  besser  ist  wieder  das
Fabrikmüdchen  daran,  das  eine  begrenzte  Zeitdauer  zu  arbeiten
hat,  als  das  Mädchen  in  der  Hausindustrie,  dessen  Tagesarbeit ­
  sich  ans  14,  15  und  mehr  Stunden  erstreckt.  Ist  die
Regelung  der  Arbeitszeit  in  der  Hausindustrie  darum  eine
Pflicht  der  sozialen  Gesetzgebung  sowohl  als  der  wirthschaftlichen,
  so  wird  man  sich  nicht  verhehlen  dürfen,  das;  es  nur
ein  einziges  Organ  für  die  Durchführung  einer  Maximalarbeitszeit ­
  in  der  Hausindustrie  gibt,  und  dieses  Organ  sind
die  Bernfsgenossenschaften.  Wollte  man  die  Maximalarbeitszeit ­
  iil  ihr  durchführen  gleichwie  bei  der  Fabrikindustrie,  d.  h.
vermittelst  Ueberwachnng  durch  polizeiliche  Organe,  würde  man
sich  einerseits  oft  am  Rechte  des  Hauses  vergehen,  jenes  schöne
Wort  „my  house  is  my  castlc"  völlig  entwürdigen,  anderseits ­
  würde  thatsächlich  sehr  wenig  erreicht  werden.
Als  eines  der  wichtigsten  Mittel  für  Organisation  der
Produktion  hat  sich  in  der  Stickerei  der  Minimallohn  erwiesen.-Das
  zersetzendste  Element  in  organisatorischer  Beziehung  war
in  ihr  ein  zügellos  spekulatives.  Indem  er  ihm  den  für  sein
Dasein  nothwendigen  Spielraum  entzog,  war  der  Minimallohn ­
  so  recht  eigentlich  bahnbrechend  für  die  Organisation  der
Produktion,  und  wenn  seine  Wirkung  keine  andere  gewesen
wäre  als  diese,  hätte  er  sich  als  eine  seriöse  Institution  allgemein ­
  wirthschaftlicher  Tragweite  bewährt.  Der  Minimallohn
lvird  nun  nicht  in  allen  Industrien  dieselbe  Wirkung  besitzen,
wohl  aber  in  denjenigen,  deren  Produkte  ziemlichen  Preisschwankungen ­
  unterliegen.  In  ihnen  benützt  die  Spekulation
eine  gedrückte  Preis-  und  Lohntage  zur  Anhäufung  großer
Lager,  welche  der  Grund  einer  chronischen  Ueberprodnktion
und  der  Produktenentwerthung  sind.
Schließlich  hat  der  Verband  den  Maschinenverkehr  zum
Zwecke  der  Produktionsregelnng  unter  seine  Aufsicht  gestellt
und  die  Inbetriebsetzung  neuer  Maschinen  wesentlich  erschwert.
            
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