Full text : Statistik der Evangelischen Liebestätigkeit (Halboffene und Offene Fürsorge) und Jugendarbeit

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soweit dieselbe konkurrenzfähig ist. Für Roggen ist dagegen Deutschland
 mit seinem Bedarf bestimmend, während Rußland das Hauptangebot
 stellt und diese beiden Länder in der Hauptsache das entscheidende
 Wort sprechen. Auch hierbei nimmt die deutsche Landwirtschaft
 einen mittleren Thünenschen Kreis ein, sie muß daher die
Preise hinnehmen, wie sie sich aus dem internationalen Handel ergeben.
 Ob hier die Produktion etwas mehr ausgedehnt oder eingeschränkt
 wird, ist im Vergleich zur Produktion aller in Betracht
kommenden Länder, die in Konkurrenz treten, ohne Bedeutung. Die
deutsche Landwirtschaft ist außerdem auf den Getreidebau in der
Hauptsache angewiesen. Die Veränderungen in der Anbaufläche können
sich daher nur in sehr engen Grenzen bewegen. Auch die bedeutenden
Schwankungen in den Getreidepreisen der letzten Dezennien haben darin
keine Veränderungen herbeigeführt.
Zwei Momente sind es, welche mithin heutigen Tages den Getreidepreis
 beeinflussen; einmal das Verhältnis von Angebot und
Nachfrage, wie es auf den großen Zentralmärkten festgestellt wird,
anter Berücksichtigung des Ernteausfalles der verschiedenen Länder,
der Taxe der disponiblen Vorräte und dem gegenüber des erfahrungszemäßen
 Bedarfs für die menschliche Nahrung, für Viehfutter und in-Justrielle
 Zwecke, wie z. B. zur Stärkefabrikation. Außerdem sind
aber, wie erwähnt, die Unkosten bestimmend, welche zur Deckung des
letzten Bedarfsteiles aufgewendet werden müssen. Ist auch das Verhältnis
 von Angebot und Nachfrage sich gleich geblieben, so können
die Preise doch herabgehen, wenn in den überseeischen Ländern durch
irgend einen Umstand billiger produziert wird, die Transportkosten
sich vermindert haben, oder durch Entwertung der Valuta in einem der
antlegensten Lieferungsländer das Angebot billiger gestellt werden kann.
Da der Mensch die Natur nicht völlig beherrscht, MißBernten nicht
verhindert werden können, so schwankt das Angebot von Jahr zu
Jahr, während dem gegenüber die Nachfrage eine mehr gleichmäßige
ist, wenn auch schon früher darauf aufmerksam gemacht wurde, daß
Jieselbe in billigen Jahren sehr viel größer als in teueren ist. Je nach
dem Ernteausfall in den hauptsächlichsten Produktionsländern wird deshalb
 der Preis von einem Jahre zum anderen erheblichen Schwankungen
unterliegen. Ja, es läßt sich nachweisen, daß in einem Lande wie
Deutschland noch heutigen Tages die heimische Ernte einen Einfluß
auf den Inlandpreis ausübt, und sogar in den einzelnen Landesteilen
ihn ungleich dem Auslande gegenüber verschiebt,
Die Furcht vor Mangel oder Ueberfluß treibt nun erfahrungsgemäß
 die Preise noch über das Verhältnis des Ernteausfalls hinaus.
Der Engländer King hatte sogar gemeint, ein wirtschaftliches Gesetz
gefunden zu haben, nach dem diese Verschiebung in potenzierter Weise
vor sich geht, so daß bei einem Ernteausfall von 5%, der Preis
etwa um 10% gesteigert werde, bei einem Ausfall von 10%, aber
um 30% u. s. w. Doch hat die Erfahrung gezeigt, daß solche Regelnäßigkeit
 nicht vorliegt, und außerdem die Kulturentwickelung immer
3rößere Ausgleichungen herbeiführt. Die verbesserte Kultur vermindert
erfahrungsgemäß die Mißernten; die größere Manunigfaltigkeit der gebauten
 Früchte, die zu verschiedenen Zeiten gesäet und geerntet werden,
also unter denselben Witterungsverhältnissen ungleich leiden, verringert
lie Wirkung derselben schon für die Land- und damit für die ganze
Volkswirtschaft, während der ausgebildete Handel und die verbesserten

Durchchnitts-



ahrespreise.

Cingsche
Regel.
            
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