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gehende Marktkonjunktur rechtfertige keine Erschütterung der
Lohnbasis; man würde damit eher einer Reaktion rufen, welche
dein Arbeitnehmer mehr schadete als die Erhöhung ihm nützte.
Zndein besitze man gar keine Garantien, daß Sachsen die
Lohnerhöhung auch wirklich durchführe, nachdem es sie be
schlossen habe.
An dieser Stelle darf auch der scharfen Zurechtweisung
des sächsischen Verbandes von Seite schweizerischer Blätter
gedacht werden, als er gleichzeitig eine Art Agitation fiir
Lohnerhöhungen nach seinem Wunsche unter den schweizeri
schen P rod uzen ten s ekti v neu in Szene setzen wollte. Daß seine
Haltung iin Mai 1890 in Sachen des Normalarbeitstages
die hiesigen Sympathien für ihn nicht kräftigte, ist verzeihlich,
nachdem sogar die „Frankfurter Zeitung" folgende Zuschrift
eines sächsischen Industriellen in Planen vom 23. Mai publi-
^jtrte: „In der hiesigen Stickerei - Industrie wird nach einem
neuerlichen Beschlusse des sächsischen Stickereiverbandes diesen
Sommer von 6 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends täglich
gearbeitet, obwohl schon jetzt zahlreiche Maschinen wegen
Mangel an Aufträgen stillstehen. Wie Arbeiter der Branche
berichten, sollen jetzt manche ihrer Kollegen täglich 40 — 50
Pfg. verdienen. Wiederholt wurden beim sächsischen Stickerei-
verbände Anträge ans Verkürzung der Arbeitszeit gestellt, die
indeß nie berücksichtigt wurden, da die Fabrikanten einzelner
Orte glauben, ohne die lange Arbeitszeit nicht bestehen zu
können. "
Im Rückblicke ans die Vorgänge innert dem sächsischen Wirkungen.
Verbände und auf die Entwicklung der Beziehungen zwischen
ihm niid dem schweizerischen, wird man gestehen müssen, daß
er nach beiden Richtungen viele und theilweise herbe Ent
lünschnngen brachte. Man wird aber kein allzuhartes Urtheil
über ihn füllen dürfen, sondern zu erwägen haben, daß er
als Repräsentant des weit schwächeren Konkurrenztheiles der
Stickerei, der nur über Vs der ostschweizerisch-vorarlbergischen
in