Full text : Das Viehversicherungswesen im Deutschen Reich

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sicherung  gewährte.  Sie  soll  lange  Zeit  (noch  1846)  bestanden  haben.
—  Zur  selben  Zeit  finden  sich  auch  in  Mecklenburg  Kuhgilden,  welche
meist  aus  Tagelöhnern  bestehen.  Ferner  entstanden  in  Bayern  derartige ­
  Gesellschaften;  sic  waren  jedoch  nur  von  kurzer  Dauer.
Von  den  ersten  Versuchen,  größere  gegenseitige  Privatviehvcrsicherungsanstalten
  zu  errichten,  ist  nichts  Erfreuliches  zu  melden.
Mitte  der  dreißiger  Jahre  unseres  Jahrhunderts  tauchen  Projekte  in
dieser  Richtung  auf.  1833  gründete  Masius  die  Viehversicherungsanstalt ­
  für  Deutschland  in  Leipzig,  die  erste  größere  Anstalt,  sowohl
in  Bezug  auf  Ausdehnung  des  Wirkungskreises,  wie  des  Versicherungsobjektes. ­
  Die  Gesellschaft  versicherte  gegen  Verluste  bei  Pferden  und
Rindern.  Beide  Abtheilungen  waren  getrennt.  Schon  1830  ging
die  Gesellschaft  ein.  Masius  selbst  führt  als  Gründe  dafür  an  die
mangelnde  Erfahrung,  die  Verschiedenheit  der  Mortalität  unter  dem
Vieh  fast  in  jeder  einzelnen  Wirthschaft,  die  Unmöglichkeit,  die  Gefahren ­
  abzuwägen  und  die  Prämie  richtig  zu  bestimmen,  der  Mangel
aller  Unterstützungen  von  Seiten  des  Staates,  die  Verweigerung  der
Korporationsrechte.  Außerdem  wohnten  die  einflußreichsten  Ausschußmitglieder ­
  in  Gegenden  mit  großer  Gefahr.  Man  hatte  mit  schlechten
Agenten,  mit  Mißbrauch  der  Versicherung  und  dergl.  mehr  zu  kämpfen.
—  Aehnlich  erging  es  der  „Gothaischen  Viehversicherungsgesellschaft
in  Werningshausen.
Wie  wenig  man  noch  von  den  Schwierigkeiten  der  Viehversicherung ­
  überzeugt  war.  beweist  de?)  im  Jahre  1837  im  Städtchen  Eschweiler
  in  der  Rheinprovinz  auftauchende  Gedanke  der  Gründung
einer  Aktienviehversicherungsgesellschaft.  Das  Projekt  ist  wahrscheinlich
nicht  zur  Ausführung  gekommen,  denn  es  ist  niemals  etwas  darüber
bekannt  geworden.
In  der  Mitte  der  vierziger  Jahre  bestanden  schon  im  Königreich
Hannover,  in  Württemberg  und  Baden  sehr  viele  kleinere  Viehversicherungsvereine. ­
  Von  größeren  Anstalten  ist  der  „Viehversicherungsverein ­
  für  das  Herzogthum  Braunschweig"  und  für  das  Fürstenthum
Starkenburg  in  Darmstadt  zu  erwähnen.  Letztere  Anstalt  ist  auf  das
Großherzogthum  Hessen  erweitert  worden  und  besteht  noch  jetzt  lebenskräftig ­
  unter  der  Firma:  Viehversicherungsanstalt  für  das  Großherzogthum ­
  Hessen  in  Darmstadt.  —  Die  Gesellschaften  unterscheiden
sich  dadurch  von  einander,  daß  sie  entweder  nur  Rindvieh,  oder  Rindviehs ­
  und  Pferde  versichern,  daß  sie  entweder  alle  unverschuldeten
Schäden  ersetzen  oder  nur  bei  gewissen  Todesfällen  den  Verlust
übernehmen.
Die  im  Jahre  1843  gegründete  Viehversicherungsbank  für  Pferde
und  Rinder  in  Homburg  vor  der  Höhe  ging  schon  1848  unter.
Nachdem  Anfang  der  fünfziger  Jahre  zu  Magdeburg  längere
Zeit  eine  auf  Gegenseitigkeit  begründete  Viehversichcrungsgesellschaft
existirt  hatte,  wurde  sie  1854  in  eine  Aktiengesellschaft  umgewandelt.

*)  Masius:  Lehre  der  Versicherung.
            
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