Full text: Lexikon der Handelsgeographie

123 Deutschland (Urproduktion: Wein, Klee, Blumen, Gemüse). 
ausgeführten Fabrikate werteten 1879 
nur 6,76 Mill. Mk., während sich die Ein 
fuhr auf 11,7» Mill. Mk. bezifferte. Seit 
1874—79 ist übrigens der Wert der Ein 
fuhr ebenso konstant in die Höhe gegangen, 
wie sich der Wert der Ausfuhr verringert 
hat. Das rapide Steigen der Einfuhr (eine 
Folge der erwarteten Zölle) 1877—79 bei 
gleichzeitigem Fallen der Ausfuhr mußte 
notwendig ein noch stärkeres Fallen 1879— 
1880 zur Folge haben; dennoch übersteigt 
der Durchschnitt der drei Jahre (91,6 Milt. 
Mk.) die Quantitäten ihrer Vorgänger. 
Allerdings wertete der Handel mit Roh 
tabak und Tabakfabrikaten 1872—73 in 
der Einfuhr 139,9 Mill. Mk., in der Aus 
fuhr 38,7 Mill. Mk.; aber in den letzten 
fünf Jahren war (in Millionen Mark) 
Einfuhr Ausfuhr 
1875— 76: 79,3 30,8 
1876— 77: 81,6 20,2 
1877— 78: 111,3 12,1 
1878— 79: 141,7 13,4 
1879— 80: 21,7 7,1 
Im neunjährigen Durchschnitt erreichte die 
Einfuhr 88,3 Mill., dieAusfuhr23,6MiN. 
Mk. Der Betrag der Tabaksteuer belief 
sich 1879-80 auf 1,157,789, der Ein- 
qw## 1878-79 auf 25,406,621 Ms., 
1879-80 auf 8,093,436 
i) Für Weinbau sind nur der südliche 
nndwestliche Teil recht geeignet, doch ist der 
selbe auch in den preußischen Provinzen 
Sachsen, Schlesien und Brandenburg so 
wie im Königreich Sachsen nicht unerheb 
lich. Die bedeutendsten weinbauenden Di 
strikte sind aber: Elsaß-Lothringen, Ba 
den, Württemberg, Rheinhesscn, Unter 
franken, die Regierungsbezirke Koblenz 
und Trier, Pfalz. Von 119,197 ho, ern 
tete man 1879 nur 986,171 hl Wein ge 
gen 3,061,201 lil in 1878. Der über 
dies«: Produktion hinausgehende Konsum 
hat einen starken Import zur Folge, der 
allerdings auch den Ausfall eines beträcht 
lichen Exports ersetzen muß. Bis 1865 
war D. ein exportierendes Land; von 
da aber änderte sich das Verhältnis, und 
wenn heute daö Exportqnantnm dem Im 
port vor 20 Jahren gleichkommt, so hat 
die Einfuhr oftmals den fünffachen Betrag 
der damaligen Zeit überschritten. Der 
Weinhandcl Deutschlands betrug (in 
Tonnen): 
Einfuhr 
I860: 10400 
1865: 14800 
1870: 35500 
1875 : 59000 
1880 : 47347 
Ausfuhr 
1860: 15700 
1865: 14200 
1870: 16500 
1875: 14400 
1880: 16586 
Im Vorjahr hatte bei ziemlich gleicher 
Ausfuhr die Einfuhr im Hinblick auf die 
drohenden Zölle 115,666 Ton., also weit 
über das Doppelte betragen. Für 1879 
berechnete man den Wert der Weineinfuhr 
mit 93,700,000 Mk., den der WeinauS- 
fuhr mit 21,910,000 Mk. 
g) Von andern in Handel und Indu 
strie wichtigen Kulturen sind hervorzuhe 
ben: Die Erzeugung von Klecsaa t, wo 
von namentlich Breslau bedeutende Men 
gen nach England exportiert (von 83,615 
ha der 1879 bebauten Fläche kommen auf 
Schlesien 21,094 ha). Dennoch übersteigt 
der Bedarf die Produktion. Es betrug (in 
Tonnen): 
Einfuhr Ausfuhr 
1879: 15322 9043 
1880: 12653 6638 
Ferner der Anbau von Cichoric, be 
sonders in der Magdeburger Gegend (die 
Hälfte), von Weberkarden (Nieder- 
bayern, Oberfranken, Rheinland, Donau- 
kreis), K ü m m e l (Merseburg), R n n k e l - 
rüben zur Samcngewinnung (Magde 
burg und Merseburg). Der Handel mit 
Cichoric betrug (in Centnern): 
Einfuhr Ausfuhr 
1878: 178775 359030 
1879: 142826 327499 
h) Blumenzucht und Gemüsebau 
werden namentlich um Erfurt in groß 
artigem Maß betrieben, aber auch in 
Berlin, um Ulm, Nürnberg, Schwein 
furt, Quedlinburg, Darmstadt und Straß 
burg, und der Handel mit Gemüse und 
Sämereien erstreckt sich bis weit in das 
Ausland. Erfurt verschickt seine Säme 
reien in alle Gegenden der Welt, Berlin 
macht mit seinen Hyacinthen selbst Holla nd 
Konkurrenz, und Hamburg versorgt den 
Londoner Markt zum Teil mit Gemüse. 
i) Der Obstbau ist durch einen großen 
Teil Deutschlands verbreitet; nicht allein
	        
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