Deutschland (Verarbeitung der Rohstoffe). 141
Rekapitulation (in Millionen Mark) :
Einfuhr Ausfuhr
Vrennstoffe 56,9 84,2
Erden, Erze und Steine . 78,7 94, i
Zusammen 1879: 130,ö 178,3
i)slfltstcu 1878: 130,9 181,4
Nicht minder lebhaft ist der Handel mit
Salz. Die Produktion Deutschlands in
Bergwerken und Salinen (1870 über 1,5
-Nili. Ton.) geht weit über den einheimi
schen Konsum hinaus, trotz der vermehr
ten Verweildung der Salze zu verschie
denen Zwecken. ' Zwar führt D. nament
lich über die Ostseehäfen große Mengen
von Salz, vornehmlich aus England, ein ;
dafür hat die Ausfuhr zruveilen nahezu
das Vierfache erreicht: in erster Stelle nach
Rußland, über Hamburg, nach Österreich.
Es wurden 1880: 37,531 Ton. ein- und
147,063 T. ausgeführt. Im Etatsjahr
1879—80 wurden 547,588 T. im Zollge
biet, 107,638 T. außerhalb desselben ab
stützt. Der Absatz im Inland nahm seit
1872 um 9,9, nach dem Ausland um 64
Proz. zu. Der Salzverbraitch nt Speise-
1879—80 betntß 339,362$., b.i).
06 kg pro Kopf der Bevölkerung. Der
Berbrauch ist am stärksten in Süd-, am
schwächsten in Nordostdcutschlaitd; die Dif
ferenz beträgt 0,9 kg. Zu steuerfreien
Zwecken wurden 247,780 T. verbraucht.
III. zierarlieitung der Ztohstoffe.
Mit Ausnahme voir Kohle und Eisen
ist D. nicht reich an Rohstofseit, wenig
stens nicht so, um den Anforderungen
seiner GewerbthLtigkeit zu genügen. Wir
habeir unter dem Kapitel der Landwirt
schaft und Viehzucht gesehen, daß nur
einige Zweige einen Überschuß für den
Export" geben. In seiner industriellen
Thätigkeit ist D. daher in hohem Maß auf
die Zufuhr aus dem Ausland angewiesen.
A. Metallindustrie.
1) Eisen. Trotz mancherlei Nachteile,
unter welchen gerade diese Industrie im-
Uler noch zu leiden hat, ist dieselbe doch in
stanz außerordentlicher Weise gewachsen.
In Preußen nahm die Produktion von
Roheisen 1826—73 von 43,500 Ton. bis
stuf 1,574,000 T. zu. In ganz D. war sie
'ui letzter» Jahr ans 1,983,163 T. gestiegen.
In demselben Maß nahm auch die
Produktion zu; die prozentuale Steige-
ruilg betrug
nach dem Gewicht »ach dem Wert
1848-68 : 584,4 Praz. 340,o Praz.
1868-75: 165,1 - 168,2 -
Freilich hatte sie damit ihren Kulmina
tionspunkt erreicht, von dem sie schnell
wieder herunterging. Von den bis 1873
geschaffenen 456 Hohöfen waren in dem-
selben Jahr noch 360 im Betrieb; 1874
sank diese Zahl auf 324, 1875 auf 297,
1876 auf 270; 1879 bestanden noch 276
Hohösell, davon 198 im Betrieb.
Produziert wurden an Roheisen über
haupt mit Einschluß der Gußwaren erster
Schmelzung, Bruch- und Waschcisen in
dem Decennium 1870 — 79 ohne Luxem
burg folgende Mengen (in Millionen):
Ton. Mark
1870: 1,3 99,2
1871: 1,4 118,9
1872: 1,8 211,7
1873: 2,0 224,8
1874: 1,7 144,9
Ton. Mark
1875: 1,7 l32,o
1876: l,o 104,o
1877: 1,7 103,3
1878: 1,9 105,3
1879: 1,9 103,7
Diese Zahlenreihen zeigen einerseits den
enormen Äufschwung der Produktion, an
derseits aber auch den kolossalen Rückgang
der Werte. Bei einer Produktion, welche
der des Jahrs 1873 nur um 19,000 Ton.
nachsteht, zeigt das Jahr 1879 einen um
121,i Mill. Mk. geringern Geldertrag.
Der deutsche Hohofeubctrieb hat Eng
land gegenüber unter manchen Nachteilen
zu leiden. Die Produktionsbezirke für die
verschiedenen zurHerstellung von Roheisen
nötigen Materialien liegen oft weit aus
einander. Da dem Gewicht nach der Ver
brauch der Brcnustoffe ein ganz bedeu
tender ist, so zieht mau es jetzt vor, bei
neuern Anlagen die Erze und andre
Materialien nach den Kohlenrevieren zu
transportieren. Zur Herstellung einer
Tonne Roheisen braucht man nach Pechar
in deutschen Hohöfen 2,5—2,8 Ton. Eiscn-
erz, 2,8—3,2 T. Kohlen, beziehentlich Koks,
1—1,5 T. kalkhaltige Zuschläge, also zu
sammen 6,3—7,5 T. Rohmaterialien.
Wie nachteilig D. gegenüber England
dasteht, zeigt folgende Aufstellung/ Es
waren 1876 die durchschnittlichen
Frachtkosten für Erze, Kohlen und Zu-