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mit Hoffnungen auf ein Amt im Postwesen zu tragen, worin seine Brüder
ihn bestärkten. Zum Universitätsstudium, dem er sieb gern hingegeben
hätte, war es bereits zu spät.
Postreformideen waren ihm schon früher durch den Kopf gegangen.
Er hatte sich Gedanken gemacht über eine Strassenpost, in der die Briefe
während der Pahrt bereits sortiert werden sollten, über einen pneumatischen
Telegraphenapparat, eine Rohrpost u. dergl. Seit 1831 beteiligte er sich
dann an der erwähnten Agitation gegen den Zeitungsstempel. Er glaubte,
der Staat würde den etwaigen Ausfall durch einen Aufschwung des Zeitungs
wesens, deren Inserate auch einer Steuer unterlagen, wieder einholen.
London war damals noch die einzige englische Stadt mit einer täglichen
Zeitung, und nur sechs andere englische Städte hatten Zeitüngen, die mehr
als einmal wöchentlich erschienen.
Auch für die bekannte, vom Buchhändler Knight neu vorgeschlagene
Idee der Stempelkuverts trat Hill 1834 in einem Zeitungsartikel ein, und
an der Höhe des Briefportos, erinnerte er sich, hatte sich schon sein Vater
gestossen. Eine Legende ist es jedoch, dass er auf einer Reise in Schott
land einst gesehen hätte, wie ein Mädchen den Brief ihres Geliebten nicht
einlöaen konnte, weil sie den Schilling an Porto dafür nicht zu bezahlen ver
mochte, und wie das ihn auf den Gedanken des Pennyportos gebracht hätte.
Im Jahre 1835 begann er sich noch reger mit der Portofrage zu be
schäftigen, Verwaltungsberichte der Post zu studieren und dabei Vergleiche
mit Frankreich zu ziehen, wo die Posteinnahmen in 14 Jahren um 50 %
gewachsen waren, während sie in England trotz der Bevölkerungszunahme
(1815: 19,5 Millionen, 1835: 25,6 Millionen Einwohner) Stillständen, offenbar
wegen des abschreckend hohen Tarifs.
In demselben Jahre (1835) hatte das englische Unterhaus auch eine
Untersuehungskommission für die Postreformfragen iComission of the Post
offi.ce Inquiry eingesetzt, deren Urheber und Vorsitzender der Abgeordnete
Robert Wallace war, der der bisher für so vollkommen angesehenen Post
sehr viel am Zeuge flickte und u. a. für eine billigere Brieftaxe mit den
Höchstsätzen von 8—9 Pence eintrat.
Auch hierdurch wurde Hill zu seinen Poststudien weiter angeregt,
und im Jahre 1836 verfasste er eine Reform-Schrift, die er vorläufig nur
als Manuskript drucken liess, um sie Anfang Januar 1837 der Regierung
zu überreichen, nachdem er vorher auch mit Wallace, dem Führer der Post
reformkampagne, bekannt geworden war, der ihn nicht etwa als Eindring
ling in seine Domäne betrachtete, sondern, im Gegenteil, freundlich ermutigte
und in jeder Hinsicht förderte.
Der volle Titel dieser ersten Ausgabe des 73 Oktav-Seiten zählenden
Büchleins lautete:
Private and confidential.
Post Office Reform;
its importance and practicability.
By Rowland Hill.
Privately printed, by W. Clowes and Sons, Stamford Street.
1837.