422 Russisches Reich (Ackerbau: Kartoffel, Brennerei, Flachs).
Aol, Taganroa, Rostow ungefähr 29
Mm. hl, also inehr als der dritte Teil der
ganzen russischen Getreideausfuhr und
mehr als die Hälfte des exportierten Weizens
; die oben genannten Ostseehäfen führten
29 l k Mill, hl aus, das verbleibende
Drittel fällt auf die andern Ostseehäfen
(darunter Liban), die des Schwarzen
Meers und den Landtransport. Der letztere
(namentlich über Grajewo unb Wirballen)
hat bedeutend abgenommen, von 6,r Mill.
Iil in 1878 auf 2,5 Mill, in 1879; dagegen
wuchs dcrErport überNeszawa nachDanzig
von 1,3 Mill, auf 1,7 Mill. hl. Für
Weizen sind die Häfen des Schwarzen und
Asowschen Meers, für Roggen und Hafer
die der Ostsee Erportgrenzen.
Die Bestimmungsländer für russisches
Getreide sind in erster Linie Deutschland
uitb England, dann Holland, Österreich,
Schweden und Norwegen, Frankreich und
Belgien. Weizen geht vorzugsweise nach
England, Deutschland, Österreich; Roggen
nach Deutschland, Holland, Schweden und
Norwegen; Gerste nach England, Deutschland
und Frankreich. Von dem ausgeführten
Getreide entfielen 1877 auf Deutschland
34 Proz., ans England 28Proz. Ein
großer Teil des nach Deutschland exportierten
Getreides wird nach Holland, Belgien,
Norwegen u. a. wieder ausgeführt.
Das meiste Weizenmehl geht nach England,
Deutschland und Rumänien, das
Noggenmehl fast ausschließlich nach Schweden
und Norwegen. Man berechnete 1877
den Wert des russischen Getreidehandels
auf 854,5 Mill. Mk., davon: Einfuhr 5,3
Mill. Mk., Ausfuhr 849,2 Mill. Mk.
Die jährliche Kartoffelproduktion
schätzt man auf 11 Mill. Ton. Von Handel
damit ist nicht die Rede. .Fur Spiritusbrennerei
wird die Kartoffel nur
in den polnischen und baltischen Provinzen
verwandt, in den mittclrussischcn Provinzen
ersetzt sie der viel ivertvollerc Roggen.
Bon den 3,56 Mill, hl, welche 1872-73
w Rußland (außer Finnland und Polen)
produziert wurden, fallen 40 Proz. ans
wen Gouvernements derSchwarzenErde.
lind) Frucht- und Traubenbranntweinbrennerei
(1876 gab es44Etablissements)
wird betrieben, so daß bedeutende Mengen
für den Export vorhanden sind, der 1879:
31,2 Mill, kg (229,9 Mill. Grad) betrug.
Der Export zeigt bedeutende Fluktuationen.
1872 erreichte er einen Wert von 6,4
Mill. Mk., stieg 1874 auf 21,4 Mill. ; 1877
hatte er einen Wert von 14,2 Mill. Mk.,
1878 von 7 Mill. Mk.
2)Dic Flachskn ltnr nimmt in volkswirtschaftlicher
Bedeutung die zweite Stelle
ein; sie wird betrieben zur Gewinnung des
Faserstoffs sowohl als des Samens. Als
Gespinstpflanze wird Flachs kultiviert vornehmlich
in Pskow, aber auch in vielen
andern Gouvernements, so in neuester
Zeit in großartigem Maßstab in Twer.
Fn Schlaglcin wird Flachs namentlich in
Bessarabien und in Südrußland gebaut.
Die russischen Bauern betreiben aber diese
Kultur sehr allgemein für ihren Hausbedarf,
und so steht dieselbe ebenso wie die Bearbeitung
des Flachses noch ans sehr niedriger
Stufe. Dennoch beherrscht Rußland
den Weltmarkt. Von dem gesamten 1878
in Europa mit Flachs bestellten Areal
von 1,406,790 lia entfielen auf Rußland
781,070 ha: von der Gesamtproduktion
von 513,064 Ton. kamen auf Rußland
244,928 T. Dabei scheinen Areal wie
Produktion bedeutend unterschätzt zu sein.
1879 war die Ausfuhr wieder auf das Niveau
von 1877 gelangt, nachdem sic 1878
bedeutend gesunken war. Der Export
war: Flachs 18,5 Mill, kg, Flachshede 2,i
Mill. kg. Die bedeutendsten Erportgebicte
sind: Deutschland und England, die je 8
Mill.kg jährlich, Frankreich, das2,7Mill,
kg jährlich nimmt, dann Österrcick), Schweden
und Norwegen, Dänemark, Holland,
Belgien, Portugal, Vereinigte Staaten.
Der Wert dieser Ausfuhr betrug 1878:
Flachs 181, Flachshede 13,3 Milk. Mk.
Dazu kommt noch der früher freilich weit
wichtigere Posten von Leinsaat, wovon
1878 für 114,9 Mill. Mk. ausgeführt
wurde und zwar vornehmlich nach England,
Holland, Deutschland, Belgien und
Frankreich. Die Hauptorte, an welchen
der russische Flachs von den Agenten deutscher,
holländischer und irländischer Häuser
aufgekauft wird, sind: Ostrow, Grodno,
Wilna, Riga und Pskow. Am stärksten
ist die Ausfuhr über Wirballen, demnächst