Spanien (Handel, Verkehrswesen).
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Industrie arbeitet jetzt schon bedeutend für
den Export, namentlich nach Westindicn;
1878 betrug derselbe 1,8 Btill. kg gegen
eine Einfuhr von 8,6 Mill. kg'. Deutsches
Papier aller Art, auch Tapeten werden in
bedeutenden Quantitäten bezogen; Öster
reich liefert das feine Papier zunr Ein
wickeln der Orangen.
IH. Hniidek.
Der Handel Spaniens ist in früherer
Zeit durch die Biirgerkriege sehr zerrüttet
und durch ein rigoröses Prohibitivsystem
behindert worden. Im Juli 1877 wurden
fast alle cinzuführcndeir Waren mit einer
Zollerhöhung (derecho extraordinario)
belegt, wodurch der Zoll ans viele deutsche
Fabrikate um 25 Proz., bei Leder und
Lederwaren sogar um fast das Dreifache
stieg. Die seit Juli 1878 erfolgte Zoll-
ermäßigung hat indes die Einfuhr belebt.
Sehr erschwerend wirkt aber noch immer
die Handhabung der Zollgesetze, wonach
Geldstrafen auch beiJrrtümern eingezogen
werden, selbst wenn eine Absicht, zu täu
schen, gar nicht vorliegen kann.
Nach den Ausweisen des spanischen
Generalzollamts bezifserte sich (in Millio
nen Mark):
1870 1877 1878
Einfuhr . . . 355,5 326,7 318,2
Ausfuhr . . . 313,2 363,5 345,o
Für 1877 lassen sich die hauptsächlichsten
Waren nach ihren Werten (in Millionen
Mark) folgendermaßen ordnen:
Einfuhr Ausfuhr
Rohbaumwolle . 62,o Wein .... 104,o
Steinkohle. . . 22,8 Blei 48,2
Hanf- u. Leingarn 21,4 Weizenmehl . . 26,4
Zucker .... 19,4 Rosinen . . . 21,2
Hvlzer .... 19,3 Vieh 12,7
Schiefer, Bitu- Quecksilber . . 12,7
men u. . . . 15,6 Eisenerz . . . 9,o
Wollgewebe . . 14,8 Weizen.... 9,8
Häute und Felle 14,2 Orangen ... 9,i
Stockfisch . . . 13,2 Kork 7,2
Branntwein . . 11,8 Öl 6,o
Maschinen. . . 11,0 Esparto. . . . 5,e
Eisen ».Werkzeuge 10,4 Konserven ... 5,2
Schiffe .... 9,9
1876 verteilte sich der Handel auf die vcr-
schicdenen Hauptländcr folgendermaßen
(in Millionen Mark):
Einfuhr Ausfuhr
England 114,8 142,8
Frankreich 130,o 72,7 '
Vereinigte Staaten . . 47,8 9,6
Portugal 3,5 15,8
Schweden und Norwegen 12,8 2,6
Belgien 13,s 7,o
Italien 13,o 3,6
Deutschland 5,8 6,3
Rußland 3,9 2,i
Algerien 8,2 6,5
Gibraltar 6,2 l,o
Britisch-Amerika . . . 4,6 0,4
Dänemark l,o l,o
Von der deutschen Einfuhr Ilnd Ausfuhr
fielen ans Hamburg allein zwei Drittel.
Infolge des schwunghaft betriebenen
Schmuggelhandelö (besonders über Gi
braltar) entzieht sich ein großer Teil der
Waren der Kontrolle, alle Werte sind da
her ungenau. Die wichtigsten Häfen
dem Wert ihrer Güterbewegung nach sind:
Barcelona, Cadiz, Santander, Alicante,
Malaga, Bilbao, Valencia, Sevilla, San
Sebastian, Cartagena, Coruña, Tarra
gona, Vigo, Huelva, Ferrol, Palma. An
der 288 Seemeilen langen Seeküste Spa
niens befinden sich 116 Häfen, 56 am
Atlantischen Ocean und 60 am Mittel
meer, manche derselben allerdings der Ver
besserung sehr bedürftig. In Alicante,
Barcelona, Cartagena, Tarragona und
Valencia sind solche mit einem Kostenauf
wand von über 16 Mill. Mk. ausgeführt.
Die Küste wird durch 118 Leuchttürme
für die Schiffahrt sicher gemacht.
Konsulate unterhält Deutschland in:
Barcelona (Berufskonsulat für das Kö
nigreich S.), Alicante, Almería, Bilbao,
Cadiz, Cartagena, Coruña, Ferrol, Gi
jon, Huelva, Madrid, Mahon, Malaga,
Palma, San Sebastian, Santander, Se
villa, Tarragona, Torrevieja, Valencia,
Vigo; Vicckonsulate in: Adra, AlgesiraS,
Badajoz, Vellicarlo, Cordova, Granada,
Jrun, Jviza, Jercö, Linares, Marbella,
San Lucar de Barrameda, Torrox; eine
Konsularagentur in Altea.
IV. Verkehrswesen.
An natürlichen Wasserstraßen ist
S. arm. Unter den Flüssen ist nur ein
einziger, welcher bei hohem Wasserstand
streckenweise befahren werden kann, nam-