Full text : Lexikon der Handelsgeographie

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Berlin  (Industrie).

ncn  ab  (5000  mehr  als  im  Vorjahr).  Die
Metallindustrie  Berlins  hat  sich  in
dem  letzten  Decenniuin  in  sehr  erfreulicher
Weise  entwickelt,  ist  aber  doch  seit  1874
sehr  bedeutend  zurückgegangen;  1878  lieferten ­
  26  Eisengießereien  mit  1259  Arbeitern ­
  und  58  ásen  338,405  Ctr.,  2  Eisenstreckwerke ­
  28,367  Etr.  rc.;  die  »Neuen
Berliner  Messingwerke«  hatten  einen  Gesamtabsatz ­
  von  1,099,111  kg  mit  einem
Verkaufswert  von  1,825,705  Mk.  Die
städtischen  Gasanstalten  produzierten  1877
bis  1878:  61,306,000  cbm,  wozu  218,899
Ton.  Kohlen  verwendet  wurden.  Das  gesamte ­
  auf  diese  Anlagen  verwendete  Kapital ­
  wurde  ans  38,950,160  Mk.  erhöht
und  für  eine  neunmonatliche  Betriebsperiodc
  ein  Reingewinn  von  2,254,852  Mk.
erzielt.  Von  den  zahlreichen  andern  Industrien ­
  ist  die  Tabakfabrikation  (10—
12  größere  Fabriken)  zu  nennen,  welche
1878:  61,531  Ctr.  unbearbeitete  Tabakblätter ­
  u.  a.  importierte;  außerdem  die
Stcarinkerzenfabnkation  (1878:  25,000
Ctr.).  Die  Fabrikation  wollener  und
halbwollener  Stoffe,  Shawls  und
Tücher  ist  eine  außerordentlich  vielseitige.
1878  wurden  auf  dem  Wollmarkt  (19.
Juni,  3Lage)zumVcrkauf  gestellt:  160,000
Etr.  deutsche  u.  russische  und  25  Etr.  australische, ­
  Kap-  u.  Buenos  Ayres-Wolle.  Der
Umsatz  iir  Garnen  war  1878:  5,400,000
kg  Streichgarne,  3,750,000  kg  Zephyrititb
  Kammgarne.  Sowohl  Webereien  als
Appreturanstalten  waren  1878  außerordentlich ­
  beschäftigt.  Es  wurden  fabriziert:
Stück  Wert  in  Mark
Kammgarnstoffe  .  .  30000  4  500000
Winterstoffe  .  .  .  50000  5  000000
Sommerstoffe  .  .  .  70000  5  500000
Von  Kamm  -  und  Zephyrgarncn  wurdet: ­
  2,200,000  kg  gefärbt  für  einFarblohn
von  1,100,000  Mk.  Großartig  sind  die  Fabrikation ­
  von  Strnmpswaren,  Phantasieund
  fertigen  Wäscheartikeln,  die  Seidenfärbcrei
  (ca.  150,000  kg)  und  Fabrikation
von  Posamentierwaren  (Umsatz  10  Mill.
Mk.).  Alle  diese  Industriezweige  prosperierten ­
  in  den  letzten  Jahren  ebenso  wie
der  Telegraphenbau  (namentlich  vertreten
durch  die  Firma  Siemens  u.  Halste,  die
auch  eine  Kabelsabrik  angelegt  hat),  der

Pianoforteball  (V.  liefert  die  billigsten
Pianinos,  die  namentlich  nach  England
und  von  dort  nach  Südamerika,  Südafrika ­
  und  Ausiraliei:  gehen),  die  Luxuspapierfabrikation ­
  (jährlicher  Umsatz  ca.
8  Mill.  Mk.).  Der  Export  von  Manufakturwaren ­
  befindet  sich  aber  immer  iloch
in  gedrückter  Lage.  Der  Absatz  nach  den
Vereinigteil  Staaten  fiel  von  19,410,460
Mk.  im  Jahr  1872  auf  8,807,253  Mk.
im  Jahr  1879,  stieg  aber  1880  wieder
auf  15,258,109  Mk.,  davon  fertige  Kleider
(Damenkonfektion,  Schlafröcke)  2,754,513
Mk.,  Garne  1,817,592  Mk.,  Wollwaren
1,716,150  Mk.,  Albums  1,296,006  Mk.
Sehr  bedeutend  ist  der  Handel  mit  Getreide. ­
  B.  empfing  1878  (in  Tausenden

Kilogramm)  Eisenbahn:  zu  Wasser:
Weizen....  23798  13200
Roggen.  .  .  .  39100  102981
Gerste  .  .  .  .  41055  1  700
Hafer  .  .  .  .  92647  5497
Kartoffeln...  46480  14378

wovon  aber  erhebliche  Quantitäten  wieder
ausgeführt  wurden.  Verinahlen  wird  hier
fast  nur  Roggen  (1878:  83,250  Ton.);
der  Mehlhandel  gewinnt  immer  mehr  an
Bedeutung,  so  daß  er  dem  Versandgeschäft
in  Roggen  fast  den  Rang  abläuft.  Das
Spiritusgeschäft  hat  seinen  Hauptexport
  nach  Frankreich,  Spanien  und  Portugal; ­
  das  Berliner  Zollamt  expedierte
1878  ills  Ausland  17,825,252  Lit.  zrl
100  Proz.  Auf  der  Eiseilbahn  wurden
31,717,382  2.  ein-,  dagegen  16,246,344
L.  ausgeführt;  auf  den  Kanälen  kamen
via  Neustadt-Eberswaldc  6,946,200,  via
Brüskow  517,520  L.;  ebenfalls  zu  Wasser ­
  waren  nach  Magdeburg,  Harburg  unb
Hamburg  3,376,000  L.  avisiert  lvordcn.
Dieser  Handel  steigt  von  Jahr  zu  Jahr.
Nicht  affiziert  wlwdc  van  der  im  allgemeinen ­
  ungünstigen  Geschäftslage  das
Kohlengeschäft-  1879  wurden  alls
Eisenbahnen  und  Wasserstraßeil
empfangen:  versandt:
Steinkohlen  und  Koks  953131  55547  Tonnen
Braunkohlen.  .  .  »  357088  08236  -
Es  blieben  somit  in  B.  897,584  T.  Steinkohlen ­
  und  Koks  und  288,852  T.  Braunkohlen. ­
  Die  ails  England  eingeführte
Kohle  wird  auf  180,000  T.  geschätzt.
            
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