lich, die Materialbeschaffung stets viele Schwierigkeiten; insbeson-
dere die Bereitstellung des Holzes. Das eigene holzarme Land
war durchaus auf den Bezug vom Ausland angewiesen. Deutschland,
Skandinavien, Rußland haben im großen Umfang ihre Wald-
bestände für den Bau der stolzen Ostindienfahrer und sonstigen
Schiffe hergeben müssen. Neben dem Getreide war es das Holz,
das die Holländer besonders in die Ostsee trieb!). Lübeck und
Hamburg sind im 17. und 18. Jahrhundert für Holland die vor-
züglichsten Lieferanten von Holz gewesen, das entweder aus Deutsch-
land oder aus dem Norden stammte; 1781 erklärte man in Hamburg:
„Holland zieht sein Schiffholz fast allein von hier?)“. Mit großer
Sorgfalt pflegte man damals in Hamburg den Durchfuhrhandel
mit Holz nach Holland?). Auch von Holstein kam es in direkten
Zufuhren; ebenso von Königsberg‘). Archangel bildete schon in
der Mitte des 17. Jahrhunderts für die Lieferungen von Masten
die Hauptanziehungskraft für die Holländer; sie legten dort eigene
Sägemühlen an®).
In dieser Abhängigkeit von dem ausländischen Rohprodukt
lag naturgemäß der wunde Punkt für den holländischen Schiffbau.
König Friedrich Wilhelm I. von Preußen erkannte das
wohl und machte einmal den russischen Gesandten darauf auf-
merksam, daß Rußland in Deutschland weit billiger als in Holland
Schiffe bauen könne, da dieses sein Holz von Deutschland beziehe;
er legte dem Zaren nahe, seine Schiffe in Stettin zu bauen‘®).
Wie in der Textil-, wie in der Seidenindustrie, so ging es aber
auch hier. Die ausländischen Konkurrenten, die sich vom hollän-
dischen Schiffbau unabhängig zu machen strebten, konnten eines
doch nicht entbehren: die Erfahrungen und Kenntnisse der hol-
ländischen Schiffbaumeister, deren Ruf doch einmal feststand,
wenn auch ihre Kunst tatsächlich nur eine empirische war und
das Gelingen mancher Bauten dem Zufall verdankt wurde”). Es
) Baasch, Schiffbaupolitik, S. 23, 30, 52.
2) Ebenda, S. 291, 296:
?) Baasch‘, Quellen, S. 426.
) Baasch, Schiffbaupolitik, 5. 101, 122, 227,
5) Scheltema, I, 284; über holländische Holzausfuhr aus Rußland
vgl. auch Lubimenko, S: 42%
%) Uhlenbeck, S.'221
7) So de Jonge, a.a. 10. SS. II, 152.
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