Full text : Zur Erneuerung des deutschen Bankgesetzes

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zurückgreifen  können,  solange  sie  dadurch  jede  Verletzung  von
Deckuugsvorschriften  und  jede  Überschreitung  ihrer  steuerfreien  Kontingente ­
  vermeiden  können,  sind  sie  im  stände,  stets  bis  hart  an  die
Grenze  zu  gehen.
Daß  sie  das  thun,  daraus  kann  man  den  Privatnotenbanken
keinen  Vorwurf  machen,  so  wenig  wie  den  Privatdiskonteuren,  wenn
sie  ihre  Mittel  durch  einen  niedrigeren  Diskontsatz  so  vollständig  wie
möglich  auszunutzen  suchen.
Dagegen  ist  freilich  nicht  zu  verkennen,  daß  die  Centralisation
der  deutschen  Bankverfassung  bei  den  gegenwärtigen  Verhältnissen
durch  einen  nicht  zu  unterschätzenden  Nachteil  für  das  deutsche  Geldwesen ­
  ersauft  ist.  Der  gesamte  ungedeckte  Notenumlauf  der  Privatnotenbanken ­
  ist  für  das  deutsche  Geldwesen  eine  Belastung  ohne  Vorteil. ­
  Da  er  die  dem  Notenumlauf  zukommenden  wirtschaftlichen  Funktionell ­
  nicht  erfüllt,  da  er  vor  allen:  jeder  Elastizität  entbehrt,  hat  er
den  Charakter  eines  in  festen  Beträgen  emittierten  Papiergeldes  angenomnlen.
  Der  Betrag,  um  welchen  es  sich  handelt,  ist  keineswegs
gering.  Der  ungedeckte  Notenumlauf  der  Privatnotenbanken  belief
sich  im  Durchschnitt  der  letzten  Jahre  auf  etwa  80  Millionen  Mark.
Im  Durchschnitt  der  Periode  1891—95  war  er  größer  als  der  ungedeckte ­
  Notenumlauf  der  Reichsbank.
Der  ungedeckte  Notenumlauf  der  Privatnotenbanken  verinehrt
also  ohne  eine  Gegeilleistung  die  fiktiven  Zahlungsmittel  im  deutschen
Geldumlauf.  Wird  dadurch  schon  an  und  für  sich  die  Sicherheit
des  deutschen  Geldwesens  geschwächt,  so  geht  noch  ein  besonderer
Nachteil  aus  dem  Verhältnis  der  Privatilotenbanken  zur  Reichsbank
hervor.  Die  Reichsbank,  welche  allein  die  gesamten  Schwankungen
des  deutschen  Geldbedarfs  zu  trageil  hat,  wird  zu  einer  überaus  vorsichtigen ­
  Diskontpolitik  genötigt.  Denn  je  größer  die  Schwankungen
des  ungedeckten  Noteilnmlaufs  finb,  desto  größer  sind  die  Abweichungen
von  feinem  durchschnittlichen  Stand;  und  je  größer  diese  Abweichungen
sind,  desto  schwächer  wird  der  Status  der  Bailk  in  Zeiten  einer
starken  Anspannung.  Die  Thatsache,  daß  die  Reichsbank,  auf  welche
durchschnittlich  nicht  viel  mehr  als  die  Hälfte  des  ungedeckten  Notenumlaufs ­
  in  Deutschland  kommt,  sich  allein  allen  Schwankungen  der
Geldnachfrage  anzupassen  hat,  nötigt  die  Reichsbank,  ihren  durchschnittlichen ­
  ungedeckten  Notenumlauf  möglichst  niedrig  zu  halten.
Das  einzige  Mittel  zu  diesem  Zweck  ist  eine  äußerst  vorsichtige  und
peinliche  Diskontpolitik.
Dieser  Zwang  wird  noch  erhöht  dadurch,  daß  für  die  Reichsbank
            
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