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die wohlgesinnten Bürger und der Staat so gerne helfen möchten.
Durch Undank, Ucbelwollen und durch individuelle Gemeinheit
darf der Edelgesinnte sich von der Ausübung und fortwährenden
Bethätigung gemeinnützigen Strebens nicht abhalten lassen. — Ist
auch die große Masse im Volke politisch noch zu unreif, als daß
sie in socialpolitischen Dingen sich selbst ein richtiges Urtheil zu
bilden vermöchte, und daher von gewissenlosen Agitatoren und
einer feilen Presse irregeleitet, nur zu leicht tu das Lager der
Staats- und Volksfeinde zu locken, so würde doch edles Beispiel,
gesunder Sinn und nicht zum wenigsten bittere Enttäuschungen sie
nach und nach erkennen lassen, wo sie wirklichen Schutz und reelle
Hilfe zu erwarten hat.
Diese Erkenntniß wird freilich erst dann kommen, wenn das
Volk nicht mehr mi den widrigen Parteikämpfen, wo der Gegner
aus Parteihaß selbst der Wahrheit ins Gesicht schlägt, Theil nimmt
und seine Gedanken hauptsächlich darauf richtet, was ihm wirklich
zum Segen gereicht. Dann werden auch die Parteiführer sich ge
zwungen sehen, entweder die wahren Volksinteressen thatsächlich zu
vertreten unb zu fördern, oder der Führerschaft zu entsagen. Mag
aber auch die ältere, jetzt herrschende Generation bei ihrem Partei
gezänk beharren und fortfahren, das Volk mit hochtönenden Phrasen
von Freiheit und Volksbeglückung, mit denen doch nur egoistische
Bestrebungen verdeckt werden sollen, irre zu führen, sie muß doch
dereinst der heranwachsenden Generation Platz machen intb diese,
welche die traurigen Wirkungen des unseligen Partcigetriebes der
Väter zur Genüge kennen gelernt hat, wird, kraft ihrer jugend
lichen Elastizität für alles Hohe und Edle empfänglicher, den
nationalen Gedanken und seine nothwendigen Forderungen besser
verstehen, als jene. Auf ihr beruht daher auch Deutschlands
bessere Zukunft. Insbesondere ist cs die akademische Jugend, welche
eine so frohe Hoffnung rechtfertigt. Mit Stolz und voller Befrie
digung darf jeder aufrichtige Vaterlandsfreund von den patriotischen
Kundgebungen der deutschen Studentenschaft Kenntniß nehmen,