Full text : Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

Ill

aber  in  die  Herzen  des  Volkes  Bahn  zu  brechen,  muß  von  allen
Freunden  menschlichen  Fortschrittes  dahin  gearbeitet  werden,  daß
wir  in  unserem  ganzen  Thun  und  Denken  wieder  einer  mehr  idealen
Richtung  zusteuern,  daß  die  breiten  Schichten  des  Volkes  nicht
glauben,  sich  durch  einen  äußeren  Schein  von  Humanität  zu  einer
höheren  Stufe  emporgeschwungen  zu  haben.  Ist  erst  durch  gutes
Beispiel  der  oberen  Klassen  der  Hauptfehler  unseres  Jahrhunderts,
der  verderbliche  Ehrgeiz,  mehr  klug  als  gut  sein  zu  wollen,  dem
Ausstcrben  nahe,  dann  wird  es  auch  im  Volke  besser  werden,  dann
wird  man  auch  dort  mehr  Verständniß  für  die  Aufgaben  des
Staates  der  socialen  Reform  gegenüber  bekommen.  Die  raschen
und  in  Erstaunen  setzenden  Fortschritte  unserer  Technik  und  die
Erhöhung  unseres  Culturzustandes  sind  noch  nicht  so  erfaßt,  daß
sic  als  ruhiger  Besitz  genossen  wurden;  sie  haben  selbst  in  der
Benutzung  noch  das  Berauschende  ihres  Ursprungs  an  sich  —  und
betäuben  den  Benützenden.  Mit  anderen  Worten  gesagt,  stattet
das  gegenwärtige  Jahrhundert  den  Einzelnen  mit  einer  früher  ungewohnten ­
  Fülle  von  geistigen  und  materiellen  Gütern  aus  und
verleiht  dadurch  selbst  dem  bescheiden  Bemittelten  ein  Selbst-  und
Machtgefühl,  welches  ihn  unbescheiden  und  anspruchsvoll  macht,
indem  es  ihm  vorgaukelt,  er  verdanke  seine  Hülfsmittel  sich  selbst
itttb  nicht  der  hoch  entwickelten  Cultur,  die  ihm  die  reifen  Früchte
in  den  Schoos;  warf.  Daraus  entsteht  eine  häßliche  Art  der
Selbstüberschätzung.  Unterzöge  man  sich  den  Pflichten  der  Menschenliebe ­
  in  gebührender  Demuth  und  in  dem  Bewußtsein,  daß  der
Mensch  Alles,  toas  er  ist  und  hat,  nur  zu  Lehen  trügt  und  daß
er  nur  ein  Dienstmann  Gottes  ist,  so  würde  man  auch  in  allen
Kreisen  mit  mehr  Eifer  die  Bemühungell  des  Staates  zur  Lösung
der  socialen  Frage  unterstützen.  Edel  sei  der  Mmsch,  hülfreich
und  gut;  denn  das  allein  unterscheidet  ihn  voll  allen  Wesen,  die
lvir  kennen.  Gehen  die  Edlen  und  Guten  im  Volke,  die  wahrhaft
Gebildeten  mit  echter  Gemeinnützigkeit  beispielgebend  voran,  danil
muß  dies  auch  veredelnd  auf  jene  Volksklasscn  einwirken,  welchen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.