Contents: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
reich wieder einmal die Zugehörigkeit des ganzen Landes zum 
Reiche durch einen überraschenden Zug nach Achen in Zweifel 
stellte, da unternahm der Kaiser im Jahre 978 eine gewaltige 
Kriegsreise bis tief ins Herz Frankreichs; er drang bis Paris 
vor, und von den Höhen des Montmartre ertönte das Halleluja 
der deutschen Klerisei über der erschreckten Stadt. Die nächsten 
positiven Ergebnisse dieses Zuges waren freilich gering; doch 
reifte schließlich jenseits der Grenze die Erkenntnis, daß an eine 
Wiedergewinnung Lothringens vorläufig nicht gedacht werden 
könne: im Jahre 980 verzichtete König Lothar in einer Begeg— 
nung mit Kaiser Otto am Chiers wieder einmal auf das Land, 
und dieser Abmachung folgte am 17. Mai 887 der endgiltige 
Friede. 
Gleichzeitig mit den Bewegungen in Baiern und Lothringen 
wie über die Grenzen dieser Länder hinaus blieb die Politik 
des Reiches auch im Norden und Osten im wesentlichen den 
alten Bahnen getreu; gegenüber Dänemark gelang es, die 
schleswigsche Grenze zu halten und dem Christentume weiteren 
Eingang zu schaffen; die Elbslawen blieben in ruhiger Unterwerfung; 
deutsche Kolonisten und Missionare durchzogen das Land; Böhmen, 
das sich an den bairischen Aufständen beteiligt hatte, unterwarf 
sich politisch im Jahre 978, während dem Erzbistume Mainz, 
nicht, wie man in Baiern erhofft hatte, den Bistümern Passau 
oder Regensburg, zwei neue Sprengel im Cechenlande, Prag und 
Olmütz, zuwuchsen. 
Allenthalben winkten ums Jahr 980 Fortschritte; den 
Kaiser erfüllte es mit hoher Freude, als ihm seine Gemahlin 
in dieser Zeit einen Sohn schenkte; es war der Höhepunkt der 
neuen Regierung. Er ward, wie stets in der Zeit der deutschen 
Kaiserpolitik, durch ein Ausgreifen über die Grenzen der Nation 
hinaus gekennzeichnet; im November des Jahres 980 ging Otto II. 
über die Alpen. 
In Italien hatte schon Otto der Große in die Geleise 
einer universalen Politik einzulenken begonnen. Hatte er bei 
dem offenkundigen Verfall der Kurie den Papst noch als Primas 
des deutsch-langobardischen Reiches ansehen können, so hatte
	        
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