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Verirrungen; wuchern diese aber mächtig empor, so ist dies ein
sicheres Zeichen, daß das Heiligthum des Hauses gar vielfach zer-
trümmert sein muß. Ist dies in gewissen Kreisen der Fall, nun
so muß das Mögliche schleunigst zur Heilung dieses Schadens ge
schehen ; denn das deutsche Familienleben mit seiner Liebe und Ord
nung, mit seinem Fleiße und seiner Sparsamkeit ist das werthvollste
Gut, welches wir von unseren Vorfahren der ältesten Zeit besitzen.
Das Familienleben ist der Boden, in welchem ein besseres Staats
leben in Deutschland emporwachsen kann. Darum sollen wir den
^taat immer ansehen als einen Verein von Familien, nicht von
einzelnen Personen, eine Ansicht, welche in dem ureigenen Geiste
der germanischen Völker wurzelt und sich in den Einrichtungen ihres
Erbrechtes offenbart. Ehe und Familie sind ja auch die unver
siegbaren Quellen einer Fülle von Freuden, wie sie den Menschen
ln keiner anderen Vereinigung inniger und reiner als in der Ehe
und im Familienleben, insbesondere für die Eltern über eine ge-
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funden werden können. Deshalb werden Ehe und Familie in
allen Volksschichten auch fernerhin von so starken und zuverlässigen
Stützen umgeben sein, daß ekelhafte Wüstlinge und sittlich ver
kommene Führer vergeblich daran rütteln, vielmehr sich bald davon
überzeugen müssen, daß im Zukunftsstaate so wenig wie heute
Neigung bei der Mehrzahl der Eltern vorhanden wäre, ihr eigenes
Fleisch und Blut zu verleugnen und sich von ihren Kindern zu
treuiien, um sie in Findelhäuser oder Kinderbewahrungsanstalten
einsperren zu lassen.
Da es ohne wirkliche Ehe keine Familie giebt, diese aber eine
der wichtigsten Grundlagcii der Gesellschaft und des Culturfort
schritts bildet, so kann und wird selbst in dem freiesten Staate die
Oberleitung nicht bulben oder gestatten, daß die Wiedcrauflösung
der Ehe in das freie augenblickliche Belieben der Ehegatten ge
stellt werde, weil die heilloseste Unordnung und krasseste Unsitt-
BI u m k, Zuknnfirftaat. o