50
nehmung verdankt auch wahrscheinlich das Sprüchwvrt „In
einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist" seinen
Ursprung. Sind wir daher nicht, so fragt ein angesehener
Psychologe und Philosoph der Jetztzeit, zu der Annahme be
rechtigt, das; Gott alle Menschen mit einem gleichen Maße von
Geistesanlagen ausgestattet hat, daß diese aber je nach dem
Grade der Entwickelung der ihnen dienstbaren Sinneswerkzcuge
mehr oder weniger zur Geltung kommen?
Und in der That spricht für die Richtigkeit einer solchen
Annahme schon die Wahrnehmung an Kindern, daß, je nach
dem sich deren Körpertheile und Sinneswerkzeugc mehr oder
wertiger normal entwickeln, auch deren Geistesanlagen mehr
oder minder klar und bestimmt hervortreten.
Wenn man diesen Erfahrungen nach auch nicht bestreiten
kann, daß das Selbstwesen und die Selbstständigkeit des
Menschengeistes von den Zuständen des Körpers und gewisser
körperlicher Organe abhängig ist, so liegt hierin nur ein Zeugniß
für die innige Verbindung zwischen Geist und Körper, keines
wegs wird aber durch diese Thatsache die Frage über das
Selbstwesen des Menschengeistes entschieden. Der Behauptung
der Darwinisten, daß die Geisteskräfte des Menschen auf
Rechnung seines größeren und feinern Gehirns zu schreiben
seien, stehen vielmehr die festgestellten Thatsachen gegenüber,
daß das Gehirn der rohesten und wenig culturfähigen Völker
stämme von dem der cultivirtesten Rationell nicht verschieden
ist, daß ferner ein Mensch mit kleinem Gehirn recht viel, da
gegen einer mit großem Gehirn recht wenig Geist besitzen kann,
llnd wie irrig auch die lediglich aus falschen Vorstellungen
von der Wirksamkeit des Gehirns hergeleitete Ansicht ist, daß
das Gehirn die Quelle unserer Seelen- und Geisteskräfte sei
und eine Verletzung desselben eine Schwächling, wenn nicht gar
eine Vernichtung dieser Kräfte zur Folge haben müsse, ergiebt
sich unter Anderem aus folgendem Vorkommnisse: Bei einem