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Die Mittelklasse verkündete frohlockend, daß kein Trust
einen so fundamentalen und durchgreifenden Beschluß
iberleben könne. Aber jener Klasse war eine neue Über-
raschung vorbehalten. Die damals bestehenden Truste
nahmen diese Entscheidung, statt irgendwelche Bestürzung
zu zeigen oder ihre Auflösung vorzubereiten, mit höchst
ärgerlichem Gleichmut auf und schritten dazu, ihrer eigenen
Körperschaft unter Umhängung eines gesetzlichen Mäntel-
chens Dauer zu verleihen. Sie wurden nicht nur beständig
größer und mächtiger, sondern betrogen unausgesetzt,
besonders der Zuckertrust mit den Havemeyers an der
Spitze, durch falsches Abwiegen importierten Zuckers die
Regierung systematisch in ungeheurer Weise. Diese Be-
trügereien wurden eine lange Reihe von Jahren fortgesetzt,
und als sie im Jahre 1909 öffentlich bekannt wurden, schätzte
man den Betrag, um den die Regierung”so betrogen worden
war, auf mehrere zehn Millionen Dollar.
Abgesehen von diesen riesigen Schwindeleien, verblieb
der Zuckertrust so absolut sicher in seinem Monopol, daß
ar alle Konkurrenten leicht vernichten, Tariftabellen vor-
schreiben und bei dem ganzen Handel einen Gewinn er-
pressen konnte, den einige maßgebende Persönlichkeiten
auf 55 Millionen Dollar jährlich oder von der Zeit seiner
Organisation an bis zum Jahre 1909 auf eine Gesamtsumme
von 660 Millionen Dollar schätzten.
Die Plutokratie in voller Macht
McKinleys Wahl zum Präsidenten der Vereinigten
Staaten, zusammen mit einem Kongreß, desseri Majorität
seine Ansichten teilte, war ein deutliches Zeichen dafür,
daß die Plutokratie volle Macht erlangt hatte — eine Macht,
die in regelrechtem Kampf gewonnen ‘war und deshalb als
volkstümliche Billigung der durch große Magnaten und
Truste ausgeübten Herrschaft angesehen wurde. #®
Von jetzt ab, das war klar, brauchten die Truste keine
Gegnerschaft der Regierung, auch keine scheinbare, mehr
zu fürchten; denn wenn auch angebliche gesetzliche Maß-
nahmen die fundamentale Herrschaft der Truste niemals