Full text: Wohlfahrtzentrale der Stadt Barmen

Mangel an Roßftoffen, in Sonderheit für die Textilinduftrie, machte zur 
Sicßerfiellung des Heevesbedarfs eine Einfchränkung der Erzeugung und des 
freien Handelsverkehrs erforderlich. Die im Intereffe der Material(treckung 
einfehende flda fließe Bewirtfcßaftung brachte Befchlagnahmen und Arbeits- 
einfehränkungen, die Gründung zahllofer Spezial-Einkaufs-, Herftellungs- 
und Vertriebsgefellfchaften, Kontingentierungen und Fabrikationsvorfchriften 
(Handarbeit, Verwendung von Erfat>~ und Abfallftojfen ufw.), welche den 
Erwerb weiterer Arbeiterkreife in Frage zu (teilen drohten. 
Mitte 1916, als der Weltkrieg durch den Zutritt immer neuer Feinde 
geradezu groteske Dimenfionen erhielt und auf eine Abwehr in aeternum 
hinwies, ergab (ich elementar die Notwendigkeit, unter liinfanfefsung dev 
Privatwirtfcßaft, im Sinne der gefeßlichen Hilfsdienfipfließt, alle Kräfte veft~ 
los in den Dien ft des Vaterlandes einzufpannen, und durch breite |te Ein 
teilung auf das Hindenburgprogramm wurden nun auch die Wuppertaler 
Induftrie-Verhältniffe vollends verfchoben. In Großbetrieben und kleinen 
Werkftätten fanden bei Dreifchidhten-Syftem Taufende von Frauen und 
Mädchen äußerft lohnende Arbeit, ohne indeffen auch jetri das Heer der 
Arbeitwilligen und der infolge der außerordentlichen Teurungszuftände 
auf Neben-Erwerb Angewiefenen zu erfchöpfen. 
Zu der fidi aus vorerwähnten Veränderungen ergebenden Aufgabe 
der Kriegswohlfahrtspflege, der Erwerbslofigkeit und Bedürftigkeit durdi Be~ 
feßaffung kriegswichtiger Arbeit zu fteuern, treten aber noch andere Pflichten: 
Durdi die kriegswirtfchaftlichen Verhältniffe ift nicht nur die Güter 
erzeugung und der von ihr abhängige Arbeitsmarkt getroffen. Seitdem 
wir in allem zum Leben unmittelbar Nötigen (befonders auch Ernährungs 
und Futter- fowie Bekleidungsmitteln) auf das ifolierte deutfeße Wirtfcßafts- 
gebiet angewiefen find, fteht nießt die Produktion, fondern die Konfumtion 
im Mittelpunkt unfers Wirtfcßaftslebens. Das Defizit inländifcher Erzeugung 
zu decken, bedarf es daher einer weifen Anpaffung der Lebenshaltung im 
Wege kriegsgemäßer Ernährungs-, Bekleidungs- und Wohnungs-Fürforge, 
einer Regelung des Bedarfs durch Materialfammlungen, Abfallverwertung 
und Erfahmittel-Gewinnung. 
b) auf fostialem Gebiete. 
Erwerbslofigkeit, Frauen-, befonders Mütterarbeit, Lebensmittelknapp 
heit und Teuerung, Erhaltung und Förderung des Nadiwuchfes, wirtfdhaft- 
liche Erziehung zur Genügfamkeit und Sparfamkeit, ftählende Uebung der 
Selbftzucht zum Durchhalten verlangen naturnotwendig auch auf fozialem 
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