Vierter Abschnitt.
Die Malthus - Ricardosche Oekonomie.
Erstes Capitel.
Malthus und die Bevölkerungsvorstellungen.
Es ist ein Ziigcständniss an die heutige Gestalt der sich
selbst als rechtgläubig bezeichnenden Doctrinen, wenn wir über
haupt noch von einer Malthus-Ricardoschen Yolkswirthschafts-
lehre und nicht vielmehr blos von Vorstellungsarten und Mei
nungen reden, die sich an jene Namen geknüpft haben.
Schwerlich wird mehr als ein Menschenalter erforderlich sein,
um die ganze fragliche Episode mit ihren berühmtesten Dogmen
als völlig abgethan und als eine gelegentliche Seitenabschwei
fung im Entwicklungsgänge der ökonomischen Einsichten er
kennen zu lassen. Alsdann wird die Geschichtsschreibung das,
was jetzt noch einen Abschnitt in Anspruch nimmt, auf einige
Nebenbemerkungen beschränken können, die sich an die be
deutendsten Vertreter der wichtigeren Leistungen höherer Art
anschliessen mögen. Da aber die älteren IJeberlieferungen der
Universitäten und gleichartigen Anstalten in England, Frank
reich und Deutschland noch vorherrschend die Malthus-Ricardo-
sche Gestaltung der politischen Oekonomie vertreten und da,
was wichtiger ist, auch weit verbreitete dogmatische Gesammt-
bearbeitungen unseres Wissensgebiets, wie namentlich diejenige
durch Stuart Mill, auf jenem Standpunkt stehen, so ist es vor
läufig noch nothwendig, auf die fraglichen Ideen und Personen
ausführlicher einzugehen, als die sachliche Bedeutung des Ge
genstandes im Verhältniss zu den erheblicheren Erscheinungen
sonst mit sich bringen würde.
Streng genommen haben wir es auf dem Gebiet, welches