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event, einem armen Studirenden auf drei Jahre verliehen, von denen
er zwei auf der Universität Greifswald zubringen muß. Um die dritte
Hebung zu genießen, muß der Stipendiat in den ersten Monaten des
dritten Jahres eine Rede in deutscher und lateinischer Sprache halten,
welche sich auf die Wohlthaten der Augsburgischen Konfession bezieht.
Familienglieder sind davon dispensirt. Von der letzten Hebung werden
für den Dekan der philosophischen Fakultät, für die Pedelle und für
den Druck der Rede einige Abzüge gemacht.
Overweg sches Brüder-Stift zu Naumburg a. S-,
1848 von dem Kaufmann Overweg zum Besten seiner Vaterstadt be
gründet, um alten armen und kranken Personen und Familien billige
oder freie Wohnung, nach Befinden auch Kostgeld zu gewähren. Der
Stifter verwendete dazu 4000 Thlr. und seine drei Neffen trugen 3000
Thlr. bei. Die Verwaltung des Instituts wird von dem Magistrat
geführt. Das mit einem Kostenaufwande von 11,818 Thlr. hergestellte
massive Stiftshaus ist zu 32 abgesonderten Wohnungen mit gemein
schaftlichem Waschhause eingerichtet; der nicht gedeckte Theil des Bau-
Kapitals wird aus den eingehenden Mieths-Erträgen verzinset. Die
Miethe für eine Wohnung beträgt 11—14 Thlr. pro Jahr. — Noch
setzte Over weg behufs Errichtung einer milden Stiftung zum Besten
verwahrlosetcr Kinder unter dem Namen „Frommer Liedcr-Segen"
beim Magistrat zu Naumburg (1856) 2000 Thlr. aus. Vgl. Ni ebner.
Pädagogisches Seminar zu Breslau.
Ein königliches Institut, welches die wissenschaftliche und praktische Aus
bildung für das Lehramt an höheren Unterrichts-Anstalten bezweckt,
und sechs ordentliche und eine unbeschränkte Anzahl außerordentlicher*
Mitglieder aufzunehmen befugt ist. Die ersten, welche zwei, höchstens
vier Jahre im Seminar bleiben dürfen, genießen Stipendien von jähr
lich 125 Thlr. und wüsten nach ihrem Ausscheiden aus dem Seminar
mindestens drei Jahre in Preußen im Schulamte dienen. Aufgenom
men können nur solche werden, welche entweder die facultas docendi
erworben oder in einem Kolloquium die Ueberzeugung gewähren, daß sic
in Verlauf eines Jahres solche zu erwerben im Stande sind. Der ein
jährige Aufenthalt im Seminar wird als Probejahr angerechnet.
Pädagogisches Seminar zu Halle.
1695 mit der Universität begründet, seit 1829 eine selbstständige An
stalt zur Bildung künftiger Lehrer. Das Institut hat 2 Klassen, deren
Mitglieder Stipendien von 70—30 Thlr beziehen.
Pädagogisches Seminar zu Königsberg,
zur Ausbildung von Lehrern für die Gymnasien und Real-Schulen des
Staats. Von den ordentlichen Mitgliedern gehören 4 der evangelischen,
2 der katholischen Konfession an: sie übernehmen die Verpflichtung, bis
zu 3 Jahren nach ihrem Austritt die ihnen von den K. Schulbehörden