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theilhaftig werden : a) welche seit 3 Jahren ein producirendcs Gewerbe
selb>t>tändig betrieben haben und auch ferner sortbetreiben wollen; b)
welche einen unbescholtenen Lebenswandel geführt und ihre hülflosc
Lage nicht selbst durch Trägheit, unangemessenen Aufwand, Spielsucht,
Trunksucht oder andere Laster herbeigeführt haben; c) welche sich nicht
un Genusse außerordentlicher Unterstützung befinden; d) welche für den
beantragten Vorschuß entweder ein genügendes Unterpfand oder einen
sicheren Bürgen stellen können. Der Magistrat ist berechtigt, in allen
nach seniem Ermessen dazu angethanen Fällen auch Vorschüsse ohne
Sicherheits-Bestellung zu bewilligen, wenn nach dem persönlichen Cha-
rakter des Borschnßsnchers und seinen Verhältnissen ein Verlust nicht
zu befürchten ,st und wenn drei Viertheile der Magistrats-Mitglieder
dafür stimmen. Die Stiftung hat am 29. Juni 1857 die landesherr
liche Genehmigung erhallen, wobei jedoch bestimmt ist, daß der stif-
tnngsgemäß verzinslich ansznleihende Kapital-Fonds die Summe von
30,000 Thlr. nie überschreiten darf und daß für den Zeitpunkt, wo
dieser Betrag erreicht sein wird, der kompetenten Staats-Behörde die
Abänderung der materiellen Bestimmungen der Stiftungs-Urkunde über
Ansammlung und Verwendung der aufkommenden Zinsen vorbehalten
bleibt.
Schmidt sche Stiftung zu Königsberg.
Von dem obengedachten Dr. Schmidt, Regimentsarzt a. D. zu Kö
nigsberg i. Pr., mittelst Urkunde vom 5. Oktober 1855 zum Besten
der Gewerbetreibenden dortiger Stadt errichtet. Die Zinsen eines
Kapitals von 3000 Thlr. sollen zu zinsfreien Darlehncn an Gewerbe
treibende (Schanker und Handeltreibende ausgenommen), welche durch
Unglücksfälle und nicht durch eigene Schuld in Verlegenheit gerathen
sind, verwendet werden. Von bm zurückgezahlten Vorschüssen soll die
Hälfte jedesmal zum Kapital gcschlageit werden, bis letzteres die Höhe
von 50,000 Thlr. erreicht. , fi : -nr •
Karl Gottsr. Ferd. Schiüidt,
Kommerzicnrath (+ zu Görlitz 1854), rief schon bei Lebzeiten mehrere
gemeinnützige Stiftungen ins Leben (s. Gcfindcbelohnungs - Fonds
Görlitzcr Stiftung zur Gewährung von Darlehnen rc.). Schließlich
setzte er der Stadt zn einer Anstalt für Blinde 10,000 Thlr., für die
Anstalt zur Besserung verwahrloster Knaben 2000 Thlr., zu verschie
denen wohlthätigen Zwecken, namentlich zu einer Stiftung zur Prä-
miirung treuer Dienstboten und zur Unterstützung verarmter Tuchmacher
6000 Thlr., zn Schnl-Prämien und resp. zu einem Volksschulfeste
2000 Thlr. aus; die letztere Summe, indem der Testator, ein Menschen
freund, schon bei Lebzeiten sich eine Freude daraus gemacht hatte, die
Zöglinge der Volksschulen zu prämiircn und ihnen jährlich ein Fest zn
bereiten.
Mathias Schmidt,
Rentier zu Köln (f 1843) leg irte der Armen-Schule der Pfarre zu
St. Aposteln 4000 Thlr., deren Anfall erster später eingetreten ist.