Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co., Leverkusen. 127*
keit, später als Vorarbeiter oder Aufseher bei der Firma tätig zu sein. Sämtliche Lehrmittel
werden den Lehrlingen kostenlos zur Verfügung gestellt.
Die Schule verfolgt neben dem genannten Zweck der Aneignung der Fähigkeiten des
Handwerks auch noch allgemeinere Zwecke und gilt daher als Ersatzanstalt der obligato
rischen Fortbildungsschule. Diese Ziele lassen sich kurz zusammenfassen: Staatsbürger
liche Erziehung in engster Verbindung mit der beruflichen Tätigkeit. So umfaßt der Unter
richt außer den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern auch Deutsch, Rechnen, Buch
führung, Bürgerkunde usw. Die Schule veranstaltet alljährlich eine Ausstellung der Lehr
lingsarbeiten, bei der die besten Arbeiten prämiiert werden.
OBLIGATORISCHE FORTBILDUNGSSCHULE. Da die Zahl der fortbildungsschul
pflichtigen Jungen in der Fabrik recht groß ist, ist mit der Gemeinde ein Abkommen ge
troffen, wonach der Unterricht innerhalb der Fabrik stattfindet. Ein Schulneubau mit
11 Klassen zu je 40 Schülern ist in Vorbereitung. Die Lehrer stellt die Gemeinde, Räume,
Schulgeld und Lehrmittel die Firma. Der Unterricht entspricht den vom Staate gegebenen
Grundlinien und nimmt besonders in Naturwissenschaften und kaufmännischen Rechnen
Rücksicht auf die besonderen Eigen
tümlichkeiten der Firma.
HANDFERTIGKEITS - UND
HANDARBEITSUNTERRICHT.
Der Unterricht in der Handfertig
keitsschule für Knaben und Mäd
chen umfaßt Hobeln, Flachschnitt,
Kerbschnitt, Pappen, Tonen, Natur
holzarbeiten und Flechtarbeiten.
Der Unterricht ist kostenlos und
wird von 3 besonderen Lehrern er
teilt. Die Schule veranstaltet all
jährlich Ausstellungen mit Vertei
lung von Preisen an die besten
Arbeiten.
Für die schulpflichtigen Töch
ter der Werksangehörigen finden
besondere Nähunterrichtskurse in
der Haushaltungsschule statt, ebenso erhalten die Arbeiterinnen kostenlosen Handarbeits
unterricht daselbst. An diesem Unterricht können auch erwachsene Töchter der Werks
angehörigen teilnehmen. Ebenfalls besteht eine besondere Handarbeitsschule für Frauen.
Während den Arbeitspausen erhalten die Arbeiterinnen in den Aufenthaltsräumen durch
2 Lehrerinnen aus Annaberg Klöppelunterricht.
HAUSHALTUNGSSCHULE. Die Haushaltungsschule liegt im Wohlfahrtspark und
ist im Jahre 1905 eröffnet worden. In ihr werden Töchter der Werksangehörigen in allen
Zweigen des Haushalts während eines Jahreskursus unterrichtet. Die Kosten für Wohnung,
Verpflegung, Anstaltskleidung und Unterricht tragen ausschließlich die Farbenfabriken.
Der Unterricht wird durch eine Vorsteherin und 4 Lehrerinnen erteilt.
Der Zweck der Anstalt ist, den Töchtern der Werksangehörigen Gelegenheit zu geben,
alle jene besonderen Kenntnisse sich anzueignen, die sie befähigen, dereinst einen einfachen
Haushalt führen zu können.
Die Schule kann 40 Schülerinnen aufnehmen, sie hat eine reichhaltige Sammlung von
Lehrbüchern und Lehrmitteln. Der Unterricht umfaßt praktische Übungen und theoretische
Lehrstunden nach einem genauen Programm, dessen Abdruck hier zu weit führen würde.
Am Schluß des Schuljahres findet in Gegenwart des Vorstandes des Frauenvereins
der Farbenfabriken und des Vorstandes der Wohlfahrtsabteilung eine Prüfung statt, wobei