Full text: Die Deutschen im Auslande

die Deutschen Nordamerikas verhältnißmäßig wenig an deut- 
schen Waaren verbrauchen, dagegen durch ihre Arbeit nur dazu 
beitragen, die hochentwickelte nordamerikanische Industrie auf 
dem Weltmärkte noch konkurrenzfähiger zu machen, verschaffen 
die deutschen Ansiedler des außertropischen Südamerika, welche 
noch viele Jahre lang auf die Ausbeutung der natürlichen 
Reichthümer des Bodens angewiesen sind, der Industrie des 
Mutterlandes neue lohnende Absatzgebiete. Diese Bestrebungen, 
die deutsche Auswanderung Südamerika zuzuführen, sind in der 
letzten Zeit besonders durch den „Centralverein für Handels 
geographic und Förderung deutscher Interessen im Auslande" 
und sodann durch den „Deutschen Kolonialverein" geltend ge 
macht und gefördert worden. Lange jedoch vor der Gründung 
genannter beiden Vereine, schon im Jahre 1843, betonte der 
vr. Freiherr von Reden die Vortheile, welche eine durch 
die Einwanderung zu erzielende wirthschaftliche Verbindung 
Deutschlands mit Südbrasilien und den La Plata-Ländern im 
Gefolge haben würde; im Jahre 1846 entwarf er die Grundzüge 
der Satzlmgen eines Vereins für deutsche Auswanderung. 
Freiherr von Reden sagt in „Petermanns Mittheilungen" (Jahr- 
gang 1856, S. 15): „Eine friedliche Ansiedelung sollte durch 
die Leitung der deutschen Auswanderung nach dem La Plata- 
Gebiete bewirkt werden. Ihre unendliche Wichtigkeit ist seither 
nur von Wenigen hervorgehoben; fast Niemand hat daran er- 
innert, daß dadurch Sammelplätze für die scheidenden Zweige 
unseres Stammes gebildet werden können, wo jede Knospe zu 
einer Frucht für das deutsche Vaterland reift, wo jeder Puls- 
schlag der alten Heimath seinen Wiederhall findet. Die fried 
liche Kolonisation verpflanzt deutsche Sprache, deutsche Sitte, 
überhaupt deutsches Leben in die neue Heimath; das hierdurch
	        
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