Speculation sich wieder lebhafter mit der Ausbeutung von Minen zu be
schäftigen, wenn auch über wirklich schaffende Thätigkeit die Berichte nur
flüchtige Mittheilungen bringen. Bei der Provinzial-Negierung von Sau
Jago de Cuba — deren Bezirk allerdings für Bergbau der ergiebigste sein
dürfte — wurden im Jahre 1881 allein 276 Miueneoncessioueu auf Gold,
Eisen, Kupfer, Blei, Kohle, Magnesium, Graphit und Quecksilber ein
getragen. Selbst wenn davon nur ein geringer Theil zur Ausführung ge
bracht worden, so beweist es doch, daft man die Bodenbeschaffenheit des
Landes für lohnenden Bergbau geeignet hält, und es ist bis zur Stunde
durch nichts bewiesen, daß mineralische Schätze nicht in bauwürdiger Menge
vorhanden sein sollten. Freilich sind die Verkehrsverhültuisse für derartige
Unternehmungen noch überaus ungünstig: jede derselben müßte sich erst
ihre eigenen Wege und wohl auch die Eisenbahn für die Abfuhr ihrer Pro
dukte nach dem Hafen oder Stapelplatze schaffen. Nur bezüglich des wich-
tigsten Materials, der Steinkohle, scheint mau die Hoffnung aufgeben 311
müssen, daß auf der Insel selbst irgend welche ergiebige Fundstelle ermittelt
werden könnte.
Das Klima der Insel wird als ein vortreffliches geschildert. Die
Seeluft uiildert die tropische Hitze und bewirkt eine größere Gleichmäßigkeit
der Temperatur während des Jahres. Die Südostküste, nach Norden hin
durch hohe Berge begrenzt, ist heißer als die Nordküste. Für Havana ivird
die Durchschnittstemperatur auf 20 ", für Sau Jago de Cuba auf rund 22 u
angegeben. Die Feuchtigkeit, welche die Seewinde dem Laude zuführen,
trügt dazu bei, daß auch Landstriche mit weniger fruchtbarem Boden sich
durch üppige Vegetation auszeichnen. Die gewöhnliche Regenzeit fällt in
die Monate von Mitte Mai oder von Juni bis zum November, von dann
bis zum Mai herrscht zumeist trockene Witterung vor. Die Jahresberichte
über den Ausfall der Zuckerrohreruteu lassen jedoch erkennen, daß die Aus
nahmen voir dieser Regel zahlreich sind. Im Innern des Landes auf den
Höhen ist die Temperatur natürlich eine wesentlich andere und je nach der
'Oertlichkeit verschieden. Eine ältere Mittheilung giebt die jährliche Regen
menge auf durchschnittlich 44" spanisch mit einem Maximum von 50'/ 2
und einem Minimum von 32'/ 2 " au, die Zahl der Regentage aus dnrch-
schuittlich 102. Gewitter sollen in der Havana während des ganzen Jahres,
mit Ausnahme der Monate December und Januar, nicht selten sein. Erd-
erschütterungen kommen im östlichen Theile der Insel vor; solche mit ver
heerender Wirkung sind seit langer Zeit nicht gemeldet worden. Vor den
Einwirkungen des Meeres, welche auf den kleineren Antillen sich gewaltig
zeigen, sind die Küsten Cubas zwar durch die Kette kleiner vorliegender
Inseln zielnlich geschützt; aber häufig genug wird über verderbliche
Orkane geklagt, welche mehr oder weniger große Theile der Insel heim-
suchen, wenn auch nicht mit der verheerenden Gewalt wie die östlich von