Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

Acker,  suche  dort  seinen  Hausstand  zu  gründen,  und  gewöhne  sich  an  regelmäßige ­
  Arbeit  und  Ordnung.  Bei  der  Arbeitstheilung  vermöge  Jeder  der
ihm  obliegenden  Aufgabe  sich  mit  vollen  Kräften  zu  widmen  und  mit  seiner
ganzen  Intelligenz  zu  fördern,  während  andererseits  für  jeden  der  beiden
Theile  das  Risico  geringer  werbe  und  ein  kleineres  Anlage-  bez.  Betriebs-Capital
  ausreiche.
Diese  Vorzüge  des  Systems  sind  so  einleuchtend,  das;  man  erwarten
sollte,  es  hätte  sich  seit  1877  schnell  verbreitet  und  heutigen  Tages  zum
allein  geltenden  gemacht.  Allein  nach  Berichten  ans  den  Jahren  1886  und
1887  giebt  es  in  Cuba  noch  viele  schlecht  eingerichtete  Fabriken,  welche
nur  6  bis  7%  Zucker  von  ihrem  Rohre  gewinnen,  zu  einem  Fas;  Muskovadenzucker
  12  bis  14000  arrobas  Rohr  verbrauchen,  und  nicht  einmal
einen  Destillir-Apparat  haben.  Solchen  Fabrikeil  wird  allerdings  unrettbar
der  Untergang  geweissagt,  da  sie  sich  neben  den  Central-Ingenios  nicht  halten
können.  Unvermögende  Pftanzer  sollen  auch  dadurch  gelegentlich  sich  zu
helfen  suchen,  daß  sie  vertragsmäßig  einem  Unternehmer  für  eine  gewisse
Zeit  ihr  Rohr,  ihr  Fuhrwerk  und  ihr  Vieh  überlassen,  wogegen  sie  ihm  für
jedes  Fas;  Zucker,  welches  an  der  nächsten  Bahnstation  abgeliefert  wird,
einen  verabredeten  Satz  zahlen.  Dieses  etlvas  verzweifelte  System  der
Fabrikarbeit  ans  Accord  hat  immerhin  für  einen  unvermögenden  Pflanzer
den  Vortheil,  das;  er  nicht  für  das  mangelnde  Betriebscapital  zu  sorgen
braucht,  und  daß  er,  da  er  natürlich  bei  Verabredung  des  Accordsatzes
mit  dem  niedrigsten  Zuckerpreise  rechnet,  mehr  gegen  Verlust  geschützt  ist
und  bei  steigenden  Preisen  gewinnt.  Das;  dieses  System  auf  Verbreitung
teilten  Anspruch  machen  kann,  leuchtet  ein:  ohnehin  ist  bei  den  stets  weichenden
Preisen  der  letzten  Jahre  schwerlich  viel  Seegen  dabei  geblieben  und  seine
Anwendung  eine  sehr  beschränkte
Der  Deutsche  Consulatsbericht  für  1880  theilt  mit:  da  die  wenigsten
Besitzer  in  der  Lage  seien,  bessere  Maschine  anschaffen  d.  h.  bezahlen  zu
können,  sei  neuerdings  wiederum  der  Vorschlag  aufgetaucht,  ingeniös  centrales ­
  ins  Leben  zu  rufen.  Es  habe  sich  auch  eine  Gesellschaft  gebildet
und  in  der  Provinz  Puerto  Principe  nahe  bei  Nuevitas  eine  solche  Fabrik
zu  bauen  begonnen,  zu  der  die  Maschinen  in  Frankreich  bestellt  seien;  der
Erfolg  dieses  Unternehmens  werbe  wohl  für  die  Zukunft  der  Centralfabriken ­
  entscheidend  sein.  Wie  der  Versuch  ausgefallen,  läßt  sich  aus
späteren  Mittheilungen  nicht  ersehen;  zunächst  wahrscheinlich  recht  ungünstig,
denn  der  deutsche  Consulatsbericht  für  1884  bemerkt,  daß  in  Folge  der
traurigen  Verhältnisse  die  Zuckerproduktion  in  der  Provinz  Puerto  Principe
ganz  aufgehört  habe.  Weiter  wird  darin  mitgetheilt:  erst  in  den
letzten  Jahren  hätten  einige  Pflanzer  angefangen,  sich  lediglich  aus  die
Zuckerproduktion  zu  legen  und  das  Rohr  von  Pächtern  oder  Colonisten
zu  kaufen,  denen  sie  ihr  Land  überlassen  haben.  Dies  System  scheine  aber
            
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