Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Gegensätze  kaum  anzutreifen.  Ein  Streit  über  etwaige  Ein-Iheilung
  in  Schulen  ist  daher  ganz  überflüssig.  Gournays  Bedeutung ­
  besteht  in  der  Einwirkung  auf  Quesnay  und  auf  Turgot.
Der  letztere  ist  aber  wiederum  nur  als  ein  sichtender  Darsteller ­
  der  Hauptlehren  Quesnays  anzusehen,  die  er  in  seiner
Weise  mit  einigen,  dem  gesunden  Verstände  zu  verdankenden
Berichtigungen  wiedergab.
Wenn  also  Einige  von  drei  besondern  Schulen  oder  Richtungen ­
  reden  wollen,  die  den  Namen  Quesnay,  Gournay  und  Turgot
entsprächen,  so  ergiebt  dies  ein  ganz  falsches  Bild.  Gournay,
der  nichts  Eignes  veröffentlichte,  sondern  seine  Manuscripte
unbekümmert  seinen  Freunden  zur  Verfügung  stellte  und  bei
der  Abfassung  der  späteren  so  verfuhr,  als  wenn  die  früheren
noch  gar  nicht  dagewesen  wären,  muss  vorwiegend  als  eine  blos
anregende  Persönlichkeit  betrachtet  werden,  Turgot  aber  war
ungeachtet  seiner  universellen  Richtung  und  seiner  vielseitigen
Talente  doch  kein  Schöpfer  eines  ökonomischen  Gedankens  von
solcher  Erheblichkeit,  dass  sich  daran  eine  besondere  Systemgestaltung ­
  hätte  knüpfen  lassen.  Das  Vorherrschen  der  einen
oder  andern  Denkphysionomie  in  der  Anhängerschaft  giebt  noch
nicht  das  Recht,  von  ernstlichen  Schul-  und  Systemverzweigungen ­
  zu  reden.  Wohl  aber  hat  der  zuletzt  Genannte  durch
sein  Ministerium  eine  praktische  Bedeutung  gehabt,  die  für  die
Physiokratie  nicht  gleichgültig  blieb.  Ehe  wir  jedoch  hievon
reden,  müssen  wir  noch  der  Art  und  Weise  gedenken,  wie
Quesnay  die  Handelsbilanz  auffasste.  In  einer  der  „Maximen”,
von  denen  er  zuerst  ein  paar  Dutzend  und  schliesslich  noch  ein
halbes  Dutzend  aufstellte,  behauptete  er,  dass  die  günstige
Bilanz  sogar  schädlich  sein  könne.  Einen  klaren  Einblick  in
den  Sinn  und  die  Schranken  seines  Gedankens  verstattet  jedoch
besonders  eine  Aeusserung  in  dem  ersten  Dialog  vom  Handel,
wo  zur  Widerlegung  der  Bilanz  Vorstellungen  die  Meinung  geltend
gemacht  wird,  dass  sich  auf  Kosten  der  andern  Nationen  kein
Gewinn  machen  lasse.  „Ein  gerechter  und  guter  Gott”,  sagt
er  (Physiokratie  II  S.  135),  „habe  gewollt,  dass  dies  unmöglich
sei,  und  dass  der  Handel,  wie  er  auch  ausgeführt  würde,  immer
nur  die  Frucht  eines  offenbar  gegenseitigen  Vortheils  wäre.”
Hier  haben  wir  die  ganze  Einseitigkeit  der  so  oft  wiederholten
Antibilanztheorie  in  ihrer  optimistischen  Verkennung  der  menschlichen ­
  Beziehungen  und  mit  ihrer  billigen  Hypothese  eines
Dühring,  Goschichte  dor  Nationalökonomie.  2.  Auflage.  8
            
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