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danken ohne den geringsten Abzug und ohne irgend welche
Einschränkung als leitendes Princip aller durch ihn denkbar
werdenden Anschauungen zur Geltung zu bringen.
Halten wir letzteres Yerhältniss als dasjenige fest, welches
für die mehr oder minder zufälligen Aeusserungen fundamen
taler Principien maassgebend ist, so werden wir uns in der
Bedeutung der Humeschen Ideen nicht leicht irren. Wir wer
den sie weder überschätzen noch unterschätzen. Ausserdem
werden wir aber auch für die spätere Zeit bis zu den jüngsten
Erscheinungen hin an den verschiedenen Gestaltungen jenes
Verhältnisses ein Merkmal besitzen, die grössere oder geringere
Folgerichtigkeit der Ideenkreise zu erkennen.
3. Schon in der früheren Geschichte haben wir die Vor
stellungen über das Geld als diejenigen erkannt, in denen der
Mangel durchgreifender Gonsequenz alle Ideen mehr oder min
der haltungslos werden Hess. Es sei nur an Boisguillebert und
an Law erinnert. Grade da, wo man das Geld, ganz abgesehen
von der Rolle der edlen Metalle begreifen wollte, machte man
die schlimmsten Fehler. Die Meinung, dass die blosse Ueber-
einkunft der Grund des Geldwerthes sei, — dieser Irrthum, der
schon im classischen Alterthum classisch vertreten ist und jeden
falls so alt sein muss, wie überhaupt das Denken der Menschen
über den fraglichen Gegenstand, — findet sich nun allerdings auch
bei Hume und ist diesem Denker sogar noch als ein Vorzug
angerechnet worden, bis die neuste kritische Oekonomie die
Hinfälligkeit solcher Ansichten blosstellte. Allein neben dem
Ausdruck dieses Irrthums hat der Schottische Denker denn
doch auch soviel zutreffende Anschauungen über das Geld ent
wickelt, dass man ihm Unrecht thut, wenn man jene verfehlte
Idee aus dem Zusammenhang entfernt, in welchem sie sich
selbst einigermaassen einschränkt und gar nicht die gänzlich
falsche Rolle spielt, die ihr in ihrer späteren Isolirung zuge
fallen ist. Nicht Hume, sondern diejenigen, welche aus ihm
nur entnahmen, was ihren Lieblingsirrthümern entsprach, tragen
die Schuld, dass die Bilder, die man sich von der fraglichen
Geldtheorie gemacht hat, so viele falsche Züge enthalten und
die besten Bestandtheile gar nicht wiedergeben.
Um jedoch mit dem Grundirrthum zu beginnen, so sagt
Humo in der Abhandlung über den Zins, das Geld habe nur
einen erdichteten (fictitious) Werth, der von der Uebereinkunft