Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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wissenscliaftliclier Formen und Kräfte hatte für die ökonomi 
schen Ueberlegungen schon seit dem Zeitalter der Revolutionen 
das vorbereitet, was in Hume seinen bedeutendsten Ausdruck 
fand. Die Mercantilisten hatten ihrerseits mit dem äussern 
Fach werk und dem Schein der Systematik nicht gespaart, wie 
das Beispiel Steuarts, eines Professors zur Zeit Adam Smiths, 
beweist. Bei den Italienern, Franzosen und Engländern hatte 
es an Monographien aus dem Bereich der mcrcantilen Denk 
weise nicht gefehlt, und wenn man nicht grade auf das Um 
fassende und Consequente eigentlicher Systeme ausblickte, so 
konnte man sagen, dass in dieser Zerstreuung des Materials 
eine grosse Menge ökonomischer Theorien bereits existirtc. 
Dagegen war die Volkswirthschaft als ein einheitliches Bild 
grundsätzlich erst von den Physiokraten ins Auge gefasst wor 
den. Quesnay hatte wenigstens etwas geliefert, was man eine 
Dichtung in ökonomischen Begriffen nennen könnte, so dass 
Adam Smith nach allen Richtungen hin den Einwirkungen 
ideeller Ueberliefcrungen ausgesetzt war, als er sein epoche 
machendes Werk über die Ursachen des Völkerreichthums vor 
bereitete. Dennoch müssen wir aber daran fest halten, dass 
dieses Werk einen so eigenthümlichen Durchbruch der reinen 
Theorie vertritt, dass diesem entscheidenden Vorzüge gegen 
über sogar die sonst überlegenen Eigenschaften der Humeschen 
Arbeiten erst in zweiter Linie in Betracht kommen können. 
Adam Smith ist der Lehrer der Nationalökonomie für die Welt 
geworden, weil sein Werk in beharrlicher Ruhe, mit verhält- 
nissmässig grosser Klarheit und in einem für den gereifteren 
Durchschnittsleser geeigneten Gedankengang einen bessern 
Standpunkt als die Physiokraten, grade mit soviel Consequenz 
vertrat, als den sich bildenden Geschäftsleuten, Beamten und 
Staatsmännern der Regel nach Zusagen mochte. Die Gunst 
der Zeitverhältnisse und der von wissentlicher Parteinahme 
für praktische Interessen entfernte Sinn des Verfassers mögen 
ebenfalls das Ihrige zu der grossen Verbreitung beigetragen 
haben. In dem ,,Völkerreichthum” liess sich mit einem ge 
wissen ruhigen Behagen lesen, und wenn auch ein gut Theil 
Schulpedanterie darin steckte, so war das Werk doch kein für 
erfahrene und überlegende Naturen ungeniessbares und un 
fruchtbares Paragraphengerippe, wie es sich die lernende Ju 
gend oder die lehrende Verlegenheit gefallen zu lassen pflegt.
	        
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