Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

136

wissenscliaftliclier  Formen  und  Kräfte  hatte  für  die  ökonomischen ­
  Ueberlegungen  schon  seit  dem  Zeitalter  der  Revolutionen
das  vorbereitet,  was  in  Hume  seinen  bedeutendsten  Ausdruck
fand.  Die  Mercantilisten  hatten  ihrerseits  mit  dem  äussern
Fach  werk  und  dem  Schein  der  Systematik  nicht  gespaart,  wie
das  Beispiel  Steuarts,  eines  Professors  zur  Zeit  Adam  Smiths,
beweist.  Bei  den  Italienern,  Franzosen  und  Engländern  hatte
es  an  Monographien  aus  dem  Bereich  der  mcrcantilen  Denkweise ­
  nicht  gefehlt,  und  wenn  man  nicht  grade  auf  das  Umfassende ­
  und  Consequente  eigentlicher  Systeme  ausblickte,  so
konnte  man  sagen,  dass  in  dieser  Zerstreuung  des  Materials
eine  grosse  Menge  ökonomischer  Theorien  bereits  existirtc.
Dagegen  war  die  Volkswirthschaft  als  ein  einheitliches  Bild
grundsätzlich  erst  von  den  Physiokraten  ins  Auge  gefasst  worden. ­
  Quesnay  hatte  wenigstens  etwas  geliefert,  was  man  eine
Dichtung  in  ökonomischen  Begriffen  nennen  könnte,  so  dass
Adam  Smith  nach  allen  Richtungen  hin  den  Einwirkungen
ideeller  Ueberliefcrungen  ausgesetzt  war,  als  er  sein  epochemachendes ­
  Werk  über  die  Ursachen  des  Völkerreichthums  vorbereitete. ­
  Dennoch  müssen  wir  aber  daran  fest  halten,  dass
dieses  Werk  einen  so  eigenthümlichen  Durchbruch  der  reinen
Theorie  vertritt,  dass  diesem  entscheidenden  Vorzüge  gegenüber ­
  sogar  die  sonst  überlegenen  Eigenschaften  der  Humeschen
Arbeiten  erst  in  zweiter  Linie  in  Betracht  kommen  können.
Adam  Smith  ist  der  Lehrer  der  Nationalökonomie  für  die  Welt
geworden,  weil  sein  Werk  in  beharrlicher  Ruhe,  mit  verhältnissmässig
  grosser  Klarheit  und  in  einem  für  den  gereifteren
Durchschnittsleser  geeigneten  Gedankengang  einen  bessern
Standpunkt  als  die  Physiokraten,  grade  mit  soviel  Consequenz
vertrat,  als  den  sich  bildenden  Geschäftsleuten,  Beamten  und
Staatsmännern  der  Regel  nach  Zusagen  mochte.  Die  Gunst
der  Zeitverhältnisse  und  der  von  wissentlicher  Parteinahme
für  praktische  Interessen  entfernte  Sinn  des  Verfassers  mögen
ebenfalls  das  Ihrige  zu  der  grossen  Verbreitung  beigetragen
haben.  In  dem  ,,Völkerreichthum”  liess  sich  mit  einem  gewissen ­
  ruhigen  Behagen  lesen,  und  wenn  auch  ein  gut  Theil
Schulpedanterie  darin  steckte,  so  war  das  Werk  doch  kein  für
erfahrene  und  überlegende  Naturen  ungeniessbares  und  unfruchtbares ­
  Paragraphengerippe,  wie  es  sich  die  lernende  Jugend ­
  oder  die  lehrende  Verlegenheit  gefallen  zu  lassen  pflegt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.