Banken und Industrie, 421
über die privatwirtschaftliche Sphäre hinausragende Aufgaben
erwachsen den Banken bei der Stützung und Sanierung not-
leidender Industriegebilde; die Geschichte der jüngsten Konzern-
krisen zeigt, daß hierbei sowohl die Macht der Banken als auch
der Gegensatz von Industrie- und Bankkapital besonders scharf
hervortritt,
Bei den großen Finanztransaktionen finden die Banken
ihren Nutzen, abgesehen von der sehr häufig bestehenden Mög-
lichkeit dauernder Einflußnahme, vorzugsweise in dem
Emissionsgewinn bei der Weiterbegebung der übernommenen
Aktien, Bei der Bemessung der Emissionsbedingungen handelt
es sich wiederum um einen Preiskampf, als dessen Resultat
sich normalerweise für die beteiligten Banken ein erheblicher
Nutzen ergibt, dem gegenüber das mit solchen Geschäften ver-
bundene Risiko allerdings nicht außer acht gelassen werden
darf,
Nicht nur kapitalmäßige Zusammenschlüsse entstehen unter
dem Einfluß der Banken; auch bei dem Zustandekommen bzw.
Wiederzustandekommen von Kartellen und Syndikaten haben sie
häufig als entscheidender Faktor mitgewirkt; eine Begünstigung
derartiger Zusammenschlüsse kommt für eine Bank insbesondere
dann in Betracht, wenn sie mehreren Unternehmungen derselben
Branche Kredit gewährt hat und bei freier Konkurrenz der
betreffenden Werke untereinander die Sicherheit der gewährten
Kredite gefährdet erscheint.
C. Die Abwehrmöglichkeiten der Industrie,
Sobald und insoweit die vorstehend geschilderte überlegene
Stellung der Banken als ein Übelstand empfunden wird — was keines-
wegs immer und überall der Fall zu sein braucht —, ergibt sich für die
Industrie die Frage, welche Mittel und Wege gegeben sind, um die
eigene Stellung im Wirtschaftskampf zu stärken. Diese z.T. noch
problematischen Abwehrmittel der Industrie, deren wichtigste im
folgenden kurz besprochen werden sollen, richten sich einerseits auf
eine größere Unabhängigkeit von den Banken bei der Kapital-
beschaffung, anderseits auf die Einschränkung des Einflusses der Banken
in den Generalversammlungen der industriellen Aktiengesellschaften.
I, Das Problem der direkten Kapitalbeschaffung.
Das Problem entsteht überhaupt nicht, wenn es dem Industrie-
unternehmer gelingt, sich so liquide zu halten, daß eine wesentliche
Inanspruchnahme von Kredit überhaupt nicht erforderlich ist. Diese
Möglichkeit ist naturgemäß nur in wenigen Fällen gegeben; er-