Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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fundamentalen Neubaus. Indessen werden auch diejenigen, dio 
allen Systemen zweiflerisch gegenübertreten, aus der kritischen 
Darstellung der grossen Typen volkswirthschaftlicher Denk 
weise lernen können, wo ihre Zurückhaltung und ihr wissen 
schaftlicher Eieinmuth am Orte sein mögen und wo nicht. 
Für jene andere Gattung aber, denen der beengte Rahmen 
irgend eines rückständigen Systems ein genügender Horizont 
ist, mag freilich die universelle Weite des geschichtlichen üm- 
blicks eine unbequeme Mahnung an das Halbdunkel werden, 
mit welchem sic in ihren abgelegenen Systembehausungen das 
helle Licht verwechseln. Schlimmer als für diese Gewöhnung 
an unzulängliche Beleuchtung wirkt aber die Fackel der Ge-' 
dankengeschichte da, wo auch nicht einmal irgend ein, wenn 
auch beschränktes System, sondern nur ein sich historisch 
nennendes Mosaik von Ansichts- und Meinungsabfällen das 
Surrogat eigentlicher Wissenschaft bildet. Den Vertretern 
dieser falschen Geschichtlichkeit ist die wahre Geschichte der 
Theorie am gefährlichsten. Die auch anderswo nicht fehlende 
Species der fraglichen Art, die in Deutschland in nicht benei- 
denswerthor Weise durch Herrn Roschers Pseudohistorismus als 
vertreten gilt, scheut sich in Thatsachen und Theorien vor nichts 
mehr, als vor wirklicher und wahrer Geschichtsschreibung. 
Meine ernsthafte Geschichte der ökonomischen Theorien ist 
daher auch mit dem Treiben dieser Üuiversitätscoterie unver 
träglich. Was die letztere für Wahrheit ausgiebt, ist mir 
meistens nicht etwa Irrthum, sondern mehr als das, nämlich 
Unwahrheit, die aus der Unredlichkeit der selbstgewählten 
Parteiposition und mithin aus einer verwerflichen Gesinnung 
hervorgeht. Historische Richtung heisst in der fraglichen Sphäre 
nichts Anderes als Feindschaft gegen die Freiheitstriebo dea 
18. Jahrhunderts, und unter historischer Behandlung der Po 
litik und Oekonomie wird eine rückläufige Officiosität zu Gun 
sten der restaurativen Staats- und Gesellschaftsansichten ver 
standen. Obwohl nun meine Arbeit, in der mit grösseren An 
gelegenheiten abgerechnet wird, es durchaus nicht auf die 
Widerlegung solcher Kleinigkeiten abgesehen und dafür keinen 
besoudern Raum übrig hat, so wird sie doch unwillkürlich und 
mittelbar auch auf die Würdigung der angedeuteten Zerrbilder 
ihres eignen Wesens hin wirken müssen. 
2. Da der bisherige Bestand des ökonomischen Wissens
	        
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