Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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wirthschaftlichen Hervorbringiingskräfte etwa auch zu den deci- 
mirenden Ursachen, so werden die letzteren siclierlich nicht im 
Malthusschen^ Sinne wirken. Sie werden das Gleichgewicht 
nicht hcrstellcn, sondern dasselbe, wo es vorhanden war, stören; 
wo es aber ans irgend welchem Grunde fehlte, in ein noch ent 
schiedener gesteigertes Missverhältniss verwandeln. Sie werden 
grade das am meisten einschränken, was in der groben Vor 
stellungsart von Malthus als Nahrung figurirt. Wir müssen 
nämlich nebenbei daran erinnern, dass zwischen Existenzmitteln 
und blossen Nahrungsmitteln ein gewaltiger Unterschied besteht, 
auf den der Verfasser der Bevölkerungsschrift so gut wie gar 
keine Rücksicht genommen hat. 
Was die Seuchen und den Hunger anbetriift, so stören sie 
den Gang der Production allerdings nicht in einem so sicht 
baren Maass, wie es der Krieg thut. Allein es dürfte auch 
ziemlich leicht zu veranschlagen sein, dass sie den Wirthschafts- 
kräften durch Entziehung von persönlichen Fähigkeiten und 
durch die Störungen, mit denen das Elend auf die Gesellschaft 
und deren Tüchtigkeit zurückwirkt, einen bedeutenden Eintrag 
thun müssen. Die Menschenkräfte, welche auf diese Weise 
verloren gehen, hätten mehr leisten können, als sie selbst in 
Anspruch nahmen, d. h. sie hätten im Verein mit der übrigen 
Gesellschaft zu deren und ihrem eignen Nutzen mehr gewirkt, 
als es die verringerte Kräftemenge vermag. In den Augen 
unseres Entvölkerungspredigers ist aber die Volksmenge eine 
Last, von der die höheren Gesellschaftsclassen durch die von 
ihm venerirte Art von Vorsehung befreit werden sollen. 
Nach Angabe dieser überweisen Malthusschen Vorsehungs 
mittel, die das Gegentheil von dem ihnen zugedachten Zweck 
erzielen, bleiben nun noch die vermeintlichen Heilmittel gegen 
die Schäden der angeblichen Uebervölkerung anzuführen. Er 
innern wir uns, dass nach der Malthusschen Ansicht diese 
Uebervölkerung in der Bethätigung der vorher gekennzeichneten 
Tendenz besteht. Sie ist daher auch jederzeit und überall im 
Werke; sie begleitet die Völker und die Menschheit auf allen 
Stufen der Entwicklung. Da indessen Malthus nichts weniger 
als ein consequenter Logiker war, so hat er hinterher selbst 
einen Unterschied zwischen alten und neuen Ländern gemacht 
und hiemit eine Vorstellungsart angenommen, die vom Stand 
punkt eines jeden folgerichtigen Systems verworfen werden
	        
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