Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

dio  or  durch  dio  wunderlichston  Mischungen  der  wüstesten
Romantik  feudaler  und  katholischer  Art  bekundete,  dennoch
wenigstens  politisch  kein  Gesinnungsverwandter  des  Engländers
gewesen.  Auch  im  sonstigen  Charakter  zeigte  er  etwas  Edleres,
indem  er  seinen  üeberzeugungon  Opfer  brachte.  Wir  haben
an  diese  Italienische  Erscheinung  nur  erinnert,  um  den  Ursprung
der  Liebhaberei  für  die  subject!v  behandelten  Bevölkerungsfragen ­
  zu  bezeichnen.  Das  Ortessche  Buch  ,,Reflexionen  über
die  Bevölkerung  in  Beziehung  auf  Nationalökonomie  (1/90)
machte  schon  von  dem  Bilde  der  geometrischen  Reihe  Gebrauch.
Man  würde  ihm  jedoch  Unrecht  thun,  wenn  man  die  ganze
Malthussche  Verkehrtheit  darin  voraussetzte.  Doch  ist  es  nicht
immer  Sache  der  Geschichtsschreibung,  sich  näher  mit  Veröffentlichungen ­
  zu  beschäftigen,  die  zunächst  wirkungslos  geblieben ­
  sind.  Auch  ein  Malthus  nebst  seinem  Buch  würde  an
sich  selbst  keine  Berücksichtigung  erheischen,  und  es  ist  nur
die  Rolle  im  Publicum,  sowie  die  missleitende  Wirkung  auf
spätere  Gestalten  der  ökonomischen  Theorie,  was  uns  hier  zu
grösserer  Ausführlichkeit  veranlasst.
Von  der  historisch  bekannten  Vorliebe,  welche  die  ehelose
Geistlichkeit  vielfach  für  die  Geschlechtsfragen  bekundet  hat,
scheint  sich  ein  Theil  auch  über  die  Grenzen  ihres  Reichs  fortgepflanzt ­
  zu  haben.  Indessen  bedürfen  wir  im  Hinblick  auf
Malthus  nur  einer  naheliegenden  psychologischen  üeberlegung,
um  ihn  und  jene  geschichtlich  anerkannten  Neigungen  unter
einunddieselbe  Rubrik  zu  bringen.  Der  Umstand,  dass  sich
erfahrungsgemäss  eine  gewisse  Art  religiöser  Aflectionen  mit
der  Vorliebe  für  die  Behandlung  alles  desjenigen,  was  mit  den
Goschlechtsfragcn  zusammenhängt,  in  schönster  Paarung  beisammenfindet, ­
  —  dieser  Umstand  erklärt,  warum  die  Weit  ihre
Einweihung  in  eine  naturwidrige  Bevölkerungstheorie  einem
unglicanischen  Ehrwürden  zu  verdanken  hat.  Noch  viel  Mehr
erklärt  sich  aber,  wenn  wir  bei  dem  Folgenden  stets  des  persönlichen ­
  Charakters  des  Urhebers  eingedenk  bleiben.
4.  Malthus  war  im  Denken  zu  ungeschickt,  um  dem,  was
bei  ihm  Tendenz  oder  Bestreben  zur  Menschenvermehrung
hiess,  einen  genauen  Sinn  abzugewinnen.  Eine  blosse  Tendenz,
die  sich  ganz  und  gar  nicht  verwirklichte,  war  nicht  gemeint,
wie  aus  den  Vorstellungen  über  die  nachträglichen  Verwüstungen
zu  ersehen  ist,  welche  als  Zuchtruthe  über  die  Leute  kommen
            
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