Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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einer neuen AuíFassungsart wieder auftauchen und sich mit 
einem Theil der bessern Errungenschaften, so gut es gehen 
will, auszugleichen und zu verschmelzen suchen. Auf diese 
Weise sind alle wissenschaftlichen Reactionen geartet, als deren 
Urbild das Verhalten Tychos zu dem Copernicanischen System 
betrachtet werden könnte, wenn diese Vergleichung nicht für 
manche Wissensgebiete zu hoch gegritfen wilre. In unsorm hc- 
sondern Fall konnten die Rückschritte um so weniger über 
raschen, als das Smithsche Werk selbst noch viele Bestand- 
theile barg, die mit seinem treibenden Grundgedanken unaus 
geglichen geblieben waren. Ein gewisses Maass von Scharf 
sinn konnte daher in Folge einer blossen Studie an der Arbeit 
des überaus sorgfältigen Schotten sehr wohl dahin führen, durch 
blosse Uebertreibungen vereinzelter Nebengedanken anschei 
nend erhebliche Umgestaltungen darzubicten. Uicser Schein 
ist der Ricardoschen llauptschrift zu statten gekommen, und 
man hat in Folge dessen den entscheidenden Umstand über 
sehen, dass dieselbe in der That nur eine höhere Art von Studio 
an dem Smithschen Völkerroichthum repräsentirt. Die renom- 
mirtestc Theorie, welche sie enthält, ist diejenige von einer 
auf die Fruchtbarkeitsunterschiedo zurückzuführenden Boden 
rente oder, wie man im Sinne des Urhebers hinzufügen muss, 
von einem derartig beschaffenen Bestand theil der Einkünfte 
des Grundeigenthümers. Diese Rentenlehre ist nun ganz und 
gar auf die Meinung gegründet, dass die Differenzen der Frucht 
barkeit die entscheidenden Ursachen des wichtigsten Bestand- 
theils des Einkommens vom Grund und Boden seien. Es ist 
also nicht der absolute Reichthum des Bodens an Pflanzen- 
nährstoffen, sondern nur die relative natürliche Ergiebigkeit 
zum Ausgangspunkt der Ideen gemacht worden. Dies muss 
man schon als einen günstigen Umstand ansehon, da das ge 
wöhnliche, ganz naheliegende Urtheil über die Sache von vorn 
herein die absolute Fruchtbarkeit ins Auge fasst und hieran 
unwillkürlich die falschen Schlüsse knüpft. Dennoch darf aber 
auch der Ricardoschen Ansicht gegenüber nicht vci’gosscn worden, 
dass die üeberschätzung der Folgen, welche die natürliche Frucht 
barkeit für die Gestaltung der wirthschaftliclien Verhältnisse 
habe, der eigentliche Grund zu dem Fehlgriff gewesen ist. In 
dieser Beziehung findet mithin zwischen Malthus und Ricardo 
eine Gemeinschaft statt, und der Unterschied bestellt nur darin,
	        
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