Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Baldwins  Lokoinotivfabrik.  Deutscher  Lokomotivbau.

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210.  Baldwins  erste  Lokomotive  „GId  Ironsides",  1832.

Ländern.  Wir  finden  dort  vielfach  Güterzuglokomotiven  mit  10  u.  12,  ja  in  einem  Falle
sogar  mit  16  Rädern.  Als  Beispiel  einer  Lokomotive  dieser  Art,  die  nach  dem  vorsündflutlichen
  Riesentiere  drüben  die  Bezeichnung  Mastodon-Lokomotive  führt,  diene  Abb.  228.
Deutscher  Lokomotivbau.  Die  ersten  in  Deutschland  erbauten  Bahnen  erhielten
noch  englische  Lokomotiven,  die  meistens  auch  von  englischen  Führern  bedient
wurden.  Im  Jahre  1838  baute  die  unter  Leitung  des  Professors  Schubert
stehende  Maschinenfabrik  Übigau  bei  Dresden  die  erste  deutsche  Lokomotive,
allerdings  noch  unter  Anlehnung  an  englische  Vorbilder.  Sie  war  für  die
Leipzig-Dresdener  Bahn  bestimmt.  Seit  1841  —  10  Jahre  später  als  in
Amerika  —  nimmt  dann  auch  hier  der  Lokomotivbau  kräftigen  Aufschwung
und  selbständige  Richtung.
Männer  wie  Borsig  und
eine  Zeitlang  auch  Egells
in  Berlin,  Keßler  und
Maffei  in  München,  Egestorfs ­
  in  Linden  bei  Hannover,Hart ­
  mannin  Chemnitz ­
  und  Hensch  el  in  Kassel
gründeten  Lokom  otivfabriken
und  brachten  sie  infolge  des
Aufschwunges,  denderBahubau
  in  Deutschland  nahm,
zur  großen  Blüte.  Die  deutschen  Fabriken,  zu  denen  außer  den  vorgenannten  noch  sieben
andere  nach  und  nach  hinzutraten,  haben  bis  jetzt  über  30  000  Lokomotiven  geliefert
und  vermögen  jährlich  etwa  1600  Stück  zu  bauen.
Borsig  stellte  bereits  1841  seine  erste  Lokomotive  in  der  von  ihm  1837  gegründeten,
damals  noch  recht  dürftig  eingerichteten  Fabrik  her.  Sie  wurde  auf
der  Berlin-Potsdamer  Linie  durch  den  Einfluß  der  hier  thätigen  englischen ­
  Ingenieure  nicht  zu  einer  Probefahrt  zugelassen.  Auf  einer
anderen  Berliner  Bahn  fand  er  mehr  Entgegenkommen,  und  seine  Lokomotive ­
  bestand  glänzend  ihre
Probe.  Sein  König  verlieh
ihm  in  Anerkennung  seiner
Bemühungen  um  Hebung
deutscher  Industrie  einen
Orden—einein  Deuts  chland
derzeit  ganz  ungewöhnliche
Auszeichnung  eines  Ingenieurs. ­
  Auch  Bestellungen
aufLokomotiven  folgten  bald.
1842  baute  er  bereits  8  Stück
für  die  Berlin  -  Anhalter
Bahn.  Seine  jetzt  schnell  aufblühende ­
  Fabrik  lieferte:
die  100ftc  Lokomotive  1846
„  1000  „  1858
„  2000  „  1867
„  3000  „  1873
„  4000  „  1883.
Nach  Borsigs  Tode  ging  die  Hauptfabrik  in  Berlin  1886  ein,  wurde  aber  vor  kurzem
in  Tegel  neu  eröffnet.  Vorstehende  Zahlen  mit  denen  der  Baldwinfabrik  verglichen,
zeigen  bis  über  das  Jahr  1870  hinaus  die  Überlegenheit  der  deutschen  Anlage.  In  ihr
sind  damals  mehr  Lokomotiven  fertiggestellt  worden,  als  in  irgend  einer  anderen  der
Welt.  Seit  1873  übernahm  Baldwin  hierin  die  Führung.
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211.  Erste  Lokomotive  mit  Drehgestell  von  Baldwin,  1833.
            
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