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keit sichtbar zu machen, so ist es in diesem Fall durch Ricardo
o-eschehen. Es ist daher auch gar nicht nöthig, eine grosse
Zurüstung neuer Einsichten aufzuwenden, um die verkünstelten
und durch die Erfahrung nicht unmittelbar controlirbaren Be-
hauptungen als irrthümlioh zu erkennen. Eines Gegenbeweises
bedarf es daher im eigentlichen Sinne dieses Worts gar nicht;
man hat sich eben nur zu überzeugen, dass es von vornherein
an einem hinreichenden Beweis gefehlt habe.
iedes Glied der vermeintlichen Nachweisung mit Rück^cht
auf die Begriffe von Capital und Rente und auf die Ein
mischung der Malthusschen Vorstellungsart untersucht, so wird
man oinsehen, dass auch nicht ein einziger Schritt in dem gesam^
ten Gange der Construction als gänzlich unanfechtbar d^teht.
Auf die falsche Theorie der Concurrenz, derzufolge die Preise
und Austauschverhältnisse als durch die ungünstipten Chancen
bestimmt gedacht worden, brauchte nicht einmal eingegangen zu
werden. Doch würde durch eine Untersuchung dieser Seite der
Sache das ganze Gebäude vollends Zusammenstürzen. Da in-
dessen dieser Punkt gar nicht ausschliesslich Ricardo, sondern
die principiellen Grundlagen des grössten Theils der bisherigen
ökonomischen Theorien angeht, so würde die Bethätigung dieser
Art von Kritik hier zu weit vorgreifen. Es bleibt dalmr nur
noch übrig, an einige Bestandtheile der Ricardoschen Theorie
zu erinnern, die mit dem geschichtlich Vorausgegangenen in
Beziehung stehen. •,
5. Die Haupteigenthümlichkeit der Veränderung m dei^
Rcntenlehre ist von Manchen in der Idee gesucht worden, dass
die Rente nicht die Ursache, sondern die Wirkung der bohei^
Preise sei. Sie ist hienach ein Rest, der übrig bleibt und nicht
nothwendig vorhanden zu sein braucht. Nicht weff der Grund
besitzer jenen Rontonbestandtheil bezieht, seien die Preise ho ei,
sondern weil sie gestiegen seien, beziehe er den Ueberschuss
über den noch unter den ungünstigsten Umständen g^eckt^
Gapitalgewinn. ln einer allgemeinen Gestalt ist die l^trach-
tung der Rente als einer Wirkung, nicht als einer Ursache
der Preise, auch in dem Smithschen Werk eingestreut, ohne
dass eine Ausgleichung dieser Vorstellung mit derjenigen
der Zerlegung des Preises in seine drei Elemente (Arbeitslohn,
Gapitalgewinn und Rente) stattgefunden hätte. Es sei hiebei
daran erinnert, dass die Art und Weise Adam mitis le
Düliriiig, Oescliichte der Nationalökonomie, li. Auflage. 14