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als wenn sie auch abgesehen von der Betonung des Materiellen
bestehen könnte. Thatsächlich ist die gemeinsame Wurzel und
das verbindende Element beider Richtungen nur in der mate
riellen Interessensphäre anzutreffen. Dort bilden sie im Leben
und im Denken eine Doppelgestalt, deren Theile sich weder im
Guten noch im Schlimmen von einander trennen lassen. Die
Krisis des Lebens und die Kritik des Gedankens sorgen beide
gleichzeitig dafür, dass sich jene beiden Mächte wohl oder übel
zusammenfinden. Wie es für eine tiefer eindringende Geschichts
darstellung ihrer Lehren unmöglich sei, die Verwandtschaft und
wechselseitige Ergänzung derselben zu verkennen, zeigen die
Ausführungen dieser Schrift im Einzelnen. Wie jedoch schon
die allereinfachstc Ucbcrlegung ganz im Allgemeinen auf diese
Wahrheit hinlcite, ergiebt sich, sobald man sich erinnert, dass
die nichtwirthschaftlichcn Machtuntcrschiedc zwischen Mensch
und Mensch die allercrhcblichste Wirkung auf die Gestaltung
der rein ökonomischen Beziehungen haben, und dass die obersten
Principien der Nationalökonomie, wie namentlich das Gesetz
von Angebot und Nachfrage, nur einen sehr oberflächlichen Sinn
erhalten, wenn man sie von den sehr verschiedenen socialen
Voraussetzungen ihrer Anwendung isolirt. Ja die Vernach
lässigung dieser unentbehrlichen socialen Grundlagen einer
jeden tieferen Einsicht in die Gesetze des wirthschaftlichen
Verkehrs ist bisher der Hauptgrund gewesen, welcher die
ki’itische Vereinigung der entgegenstehenden Theorien am
meisten gehindert hat.
Mit dieser letzteren Bemerkung ist nun aber auch schon
das Verhältniss angegeben, in welchem die socialitäre Richtung
zu der einseitig nationalökonomischen Cultur der Wissenschaft
nothwendig stehen muss. Die politischen und socialen Ver
knüpfungen sind an sich selbst und ursprünglich weit mehr
eine Ursache als eine Wirkung der wirthschaftlichen Aneig
nungen, Hiemit fällt denn aber auch die gemeine Voraus
setzung aller bisherigen, sei es beschränkt ökonomistischen oder
auch socialistischen Volkswirthschaftslehron zusammen, als
wenn die rein ökonomischen Verhältnisse die Wurzel aller
übrigen gesellschaftlichen und politischen Beziehungen, also
auch aller Unterdrückungsformen wären. Dom Socialismus,
der im universellen Sinne seiner Idee weit über den wirth
schaftlichen Communismus hinausstrebt, widerfährt auf diese