Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

8

als  wenn  sie  auch  abgesehen  von  der  Betonung  des  Materiellen
bestehen  könnte.  Thatsächlich  ist  die  gemeinsame  Wurzel  und
das  verbindende  Element  beider  Richtungen  nur  in  der  materiellen ­
  Interessensphäre  anzutreffen.  Dort  bilden  sie  im  Leben
und  im  Denken  eine  Doppelgestalt,  deren  Theile  sich  weder  im
Guten  noch  im  Schlimmen  von  einander  trennen  lassen.  Die
Krisis  des  Lebens  und  die  Kritik  des  Gedankens  sorgen  beide
gleichzeitig  dafür,  dass  sich  jene  beiden  Mächte  wohl  oder  übel
zusammenfinden.  Wie  es  für  eine  tiefer  eindringende  Geschichtsdarstellung ­
  ihrer  Lehren  unmöglich  sei,  die  Verwandtschaft  und
wechselseitige  Ergänzung  derselben  zu  verkennen,  zeigen  die
Ausführungen  dieser  Schrift  im  Einzelnen.  Wie  jedoch  schon
die  allereinfachstc  Ucbcrlegung  ganz  im  Allgemeinen  auf  diese
Wahrheit  hinlcite,  ergiebt  sich,  sobald  man  sich  erinnert,  dass
die  nichtwirthschaftlichcn  Machtuntcrschiedc  zwischen  Mensch
und  Mensch  die  allercrhcblichste  Wirkung  auf  die  Gestaltung
der  rein  ökonomischen  Beziehungen  haben,  und  dass  die  obersten
Principien  der  Nationalökonomie,  wie  namentlich  das  Gesetz
von  Angebot  und  Nachfrage,  nur  einen  sehr  oberflächlichen  Sinn
erhalten,  wenn  man  sie  von  den  sehr  verschiedenen  socialen
Voraussetzungen  ihrer  Anwendung  isolirt.  Ja  die  Vernachlässigung ­
  dieser  unentbehrlichen  socialen  Grundlagen  einer
jeden  tieferen  Einsicht  in  die  Gesetze  des  wirthschaftlichen
Verkehrs  ist  bisher  der  Hauptgrund  gewesen,  welcher  die
ki’itische  Vereinigung  der  entgegenstehenden  Theorien  am
meisten  gehindert  hat.
Mit  dieser  letzteren  Bemerkung  ist  nun  aber  auch  schon
das  Verhältniss  angegeben,  in  welchem  die  socialitäre  Richtung
zu  der  einseitig  nationalökonomischen  Cultur  der  Wissenschaft
nothwendig  stehen  muss.  Die  politischen  und  socialen  Verknüpfungen ­
  sind  an  sich  selbst  und  ursprünglich  weit  mehr
eine  Ursache  als  eine  Wirkung  der  wirthschaftlichen  Aneignungen, ­
  Hiemit  fällt  denn  aber  auch  die  gemeine  Voraussetzung ­
  aller  bisherigen,  sei  es  beschränkt  ökonomistischen  oder
auch  socialistischen  Volkswirthschaftslehron  zusammen,  als
wenn  die  rein  ökonomischen  Verhältnisse  die  Wurzel  aller
übrigen  gesellschaftlichen  und  politischen  Beziehungen,  also
auch  aller  Unterdrückungsformen  wären.  Dom  Socialismus,
der  im  universellen  Sinne  seiner  Idee  weit  über  den  wirthschaftlichen ­
  Communismus  hinausstrebt,  widerfährt  auf  diese
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.