Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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für eine würdige Yertretimg des natürlichen und einfachen 
Freiheitsstrebens gelten kann. In seiner Art hatte sich selbst 
verständlich der als Metaphysiker über dom Niveau der Ver 
gleichbarkeit mit einem Fichte stehende Kant weit besser mit 
den Schwierigkeiten abgefunden, die überhaupt einem vom 
Staate besoldeten und von der Kirche wenigstens indirect über 
wachten Lehrbeamten die Darlegung von naturrechtlichen und 
politischen Wahrheiten in einer begreiflichen, vom Jargon der 
Schulen freien Sprache unmöglich machten. Die Vorhaltungen 
und Dunkelheiten, die auf diese Weise noch über die ange 
stammte Verschulungsmanier hinaus den Ausdruck leer, ge 
schraubt, unklar, zaghaft verklausulirt und später hei den 
nächsten Epigonen recht widerwärtig verschränkt gestalteten, 
sind ein Fluch des in Deutschland blühenden und schon lange 
nicht mehr mit dem Aulklärungsschoin drapirten Despotismus 
gewesen. Man darf daher in dieser Sphäre nichts Ernstliches 
suchen. Was nachher ein Hegel an romantischem Material 
von Schölling, den Feuerbach mit Recht den philosophischen 
Cagliostro nannte, entlehnte und an seinem dialektischen Gän 
gelbande für grosse Kinder in die Welt laufen liess, das war 
freilich in Rücksicht auf die Staatsdoctrin in den weniger miss 
gestalteten Zügen für den Kenner noch immer mit entstellten 
bessern Bestandtheilen von Kantischem und hiemit Rousseau- 
schem Ursprung gemischt, aber übrigens in seiner reactionären 
und platten Haltung um so gefährlicher, als es sich hier und 
da für den Unerfahrenen einen täuschenden freiheitlichen An 
strich zu gehen suchte. Es würde nicht nöthig gewesen sein, 
die überdies noch in der Form unwissenschaftliche Manier 
eines Hegel zu erwähnen, wenn nicht die autoritäre Schulung 
in dessen Cruditäten auch den neuern Deutschen Socialismus 
doctrinär und methodisch bereits in der Keimung verdorben 
hätte. Die Marx und Lassalle haben diesem Schulmoloch an 
sehnliche Opfer bringen müssen, und ihr Götzendienst vor der 
Dialekt!kcaricatur einer popanzartigen Schulgrösse entzieht 
ihnen die umfassendere und intensivere Wirkungsmöglichkeit 
zum Theil schon für die Gegenwart, vollständig aber für die 
Zukunft, in welcher sie den Preis ihrer dialektischen Eitelkeit 
ohne Abzug zu zahlen haben werden. 
Träge Staatsconstructionen aus dem philosophastrischen 
Gebiet gehen uns hier nichts an. Dagegen ist zum Abschluss
	        
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